In Deutschland wird deutlich mehr Verpackungsmüll produziert als im europäischen Durchschnitt. Im Jahr 2016 fielen 18,16 Tonnen an, also 0,05 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Umweltbundesamt (UBA) mitteilte. Das entspricht 220,5 Kilogramm pro Kopf. Das europäische Mittel lag bei 167,3 Kilo, also deutlich darunter. Die Zahlen für 2017 werden erst im kommenden Jahr veröffentlicht.

Im EU-Vergleich produziert Deutschland seit Jahren den meisten Verpackungsmüll. 2015 lag Deutschland vor allen anderen Ländern, für 2016 liegen bis auf den Durchschnittswert noch keine Vergleichszahlen vor. Allerdings war der Abstand im Jahr zuvor so groß, dass Deutschland auch dieses Mal auf Platz eins landen dürfte (hier die Zahlen für die vergangenen Jahre).

Nach Angaben des Umweltamts waren private Verbraucherinnen und Verbraucher 2016 für knapp die Hälfte des entstandenen Verpackungsmülls verantwortlich. Dort fiel aber etwas weniger Plastikverpackungsmüll als im Vorjahr an (24,9 Kilo pro Kopf und Jahr statt 25). Dafür seien mehr Glas- und Aluminiumverpackungen verwendet worden, die in der Herstellung sehr energieintensiv seien. Kunststoff durch andere Verpackungsmaterialien zu ersetzen, sei nicht immer ökologisch sinnvoll, sagte die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger.

"Trauriger Spitzenplatz in Europa"

"Wir produzieren viel zu viel Verpackungsmüll – ein trauriger Spitzenplatz in Europa", sagte Krautzberger. Sie forderte mehr Recycling, um Rohstoffe zu schonen. Vor allem müsse schon in der Produktionsphase auf unnötig materialintensive Verpackungen verzichtet werden, um Müll zu vermeiden.

Das Umweltbundesamt nannte mehrere Gründe für die anhaltend hohe Produktion von Verpackungsmüll in Deutschland. Darunter seien zusätzliche Funktionen der Verpackungen wie Dosierhilfen oder aufwendige Verschlüsse. Auch kleinere Portionen, der Versandhandel sowie Essen und Trinken zum Mitnehmen hätten den Müll verursacht.

Mehr als 70 Prozent des Verpackungsmülls wurden recycelt. Allerdings waren die Quoten jeweils unterschiedlich: 85,5 Prozent bei Glas, 87,9 Prozent bei Alu, 88,7 Prozent bei Papier und Karton und 92,1 Prozent bei Stahl, aber 49,7 Prozent bei Kunststoff und 26 Prozent bei Holz. Von 2019 an gilt ein neues Verpackungsgesetz, das den fürs Recycling zuständigen Unternehmen Quoten vorschreibt. Die Lizenzgebühr, die Hersteller für ihre Verpackungen zahlen müssen, muss sich dann auch danach richten, wie leicht oder schwer die Verpackung recycelt werden kann.

Plastikmüll - Es geht auch ohne Plastik Die Europäische Kommission will Rührstäbchen, Strohhalme und Ballonhalter verbieten. Alternativen gibt es, doch die sind nicht immer günstig. © Foto: Bart Biesemans

Einen Schwerpunkt legt das UBA in seinem Bericht auf Verpackungen, die Neodymmagnete beinhalten. Zwar seien sie nur eine "Nischenerscheinung", doch rohstoffpolitisch interessant, heißt es in dem Bericht. Neodym zählt zu den Seltenen Erden. Magnete, die Neodym enthalten, werden etwa für wiederverschließbare Pralinen- oder Zigarettenschachteln verwendet. Beim Abbau von Neodym wird laut UBA radioaktives Thorium und Uran freigesetzt.

Im Jahr 2017 fielen nach Angaben des Umweltamts etwa 4,5 Tonnen neodymhaltige Magnete als Verpackungsabfall an, davon rund 1,5 Tonnen reines Neodym. Bisher werde keine Rückgewinnung von Neodym aus Verpackungen durchgeführt, sodass das seltene Metall verloren gehe. Für Neodym liegen aktuellere Zahlen vor als für andere Stoffe.