Frankreich verbietet fünf der hochwirksamen Insektenvernichtungsmittel, der Neonikotinoide, im Freiland. Damit geht das Land stärker gegen die Pestizide vor als die EU, die Ende April mit deutscher Zustimmung ein weniger umfassendes Verbot beschlossen hatte. Die neue Regelung in Frankreich gilt von Samstag an.

Die Neonikotinoide gehören zu den weltweit am meisten genutzten Pestiziden und werden auf Weinstöcken, Obstbäumen und Feldern eingesetzt. Jedoch töten die Mittel nicht nur Blattläuse, Holzwürmer und andere Schädlinge – sie schaden auch Bienen und Hummeln. Sie stören sowohl ihr Orientierungsvermögen als auch ihre Fortpflanzung und schwächen ihr Immunsystem. In hoher Dosis töten sie die Bienen sogar.

Aus diesem Grund tritt in Frankreich zum 1. September das Biodiversitätsgesetz in Kraft, das bereits 2016 verabschiedet wurde. Dieses verbietet die Wirkstoffe Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam, die in vielen Pflanzenschutzmitteln erhalten sind. Diese Wirkstoffe untersagt auch die EU ab dem 19. Dezember. Jedoch verbietet Frankreich noch zwei zusätzliche Mittel, die in Deutschland vorerst weiter erlaubt bleiben: Thiacloprid und Acetamiprid. Mehrere der verbotenen Wirkstoffe werden von dem Leverkusener Chemiekonzern Bayer hergestellt. Der wehrt sich auf EU-Ebene juristisch gegen das Verbot, es schränke seine Geschäftsfähigkeit ein. Zudem seien die Argumente der Kritiker laut dem Konzern wissenschaftlich unbegründet.

Trotz Frankreichs Vorstoß sind Umweltschützer noch nicht vollends zufrieden. Denn von den Verboten können bis 2020 auf Antrag Ausnahmen gemacht werden. Zudem dürfen die verbotenen Mittel in Gewächshäusern und Zeckensprays für Katzen weiter eingesetzt werden. Außerdem wurden neue Insektizide genehmigt, die ebenso schädlich sein sollen.

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