Ein Schädlingsgift, das die in der Landwirtschaft teils verbotenen Neonikotinoide ersetzen soll, schädigt nützliche Hummeln. Das berichten Forscher der Royal Holloway University of London im britischen Fachmagazin Nature. Für ihre Studie untersuchten sie Insektizide mit dem Wirkstoff Sulfoxaflor, der in mehreren Ländern bereits zugelassen ist. In Deutschland ist die Zulassung beantragt. In der Studie zeigte sich, dass dunkle Erdhummeln (Bombus terrestris), die der Substanz ausgesetzt waren, viel weniger Nachkommen hatten als ihre Artgenossen (Nature: Siviter et al., 2018).

Neonikotinoide galten lange als Wunderwaffe in der Landwirtschaft, weil sie Fressfeinde der Pflanzen töten, aber nützliche Insekten angeblich nicht. Forscher fanden allerdings heraus, dass die Substanzen doch Bienen und andere Pflanzenbestäuber schädigen können. Sulfoxaflor galt bislang als vielversprechendes Ersatzgift.

Die Forscher um Harry Siviter setzten für ihre Studie nun 25 Hummelvölker zwei Wochen lang Sulfoxaflor in Konzentrationen aus, wie sie nach dem Einsatz auf Feldern auftreten würden. Schon nach zwei bis drei Wochen zeigten sich deutliche Unterschiede im Vergleich zu 26 unbehandelten Kolonien: Bei den mit Sulfoxaflor in Kontakt gekommenen Hummelvölkern ging der Nachwuchs um insgesamt 54 Prozent zurück. Der Ersatzstoff könnte also Langzeitfolgen für die Hummelbestände haben, schreiben die Forscher – ähnlich wie Neonikotinoide.  

Bezüglich Futtersuche und Pollenfracht stellte das Team im Verhalten der Hummeln keine Unterschiede fest. Vor der Zulassung müssten neue Insektizide umfangreich überprüft werden, fordern die Wissenschaftler. Insektizide mit Sulfoxaflor sind etwa in China, Kanada und Australien zugelassen.

Drei Zulassungsanträge für Sulfoxaflor in Deutschland

"Das Ergebnis ist keine Überraschung", sagt Christine Vogt, Referentin für Landwirtschaft am Umweltinstitut München. Denn Sulfoxaflor wirke ähnlich wie Neonikotinoide und gefährde auch Bienen. Dennoch sei der Wirkstoff auf EU-Ebene zugelassen. Die fertigen Mischungen müssten von den einzelnen Ländern genehmigt werden. In Deutschland habe es Vogt zufolge mindestens drei Anträge gegeben.

Die EU-Staaten – auch Deutschland – stimmten im vergangenen Frühjahr mehrheitlich für ein Freilandverbot von drei Neonikotinoiden: Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid. Diese Insektizide dürfen künftig nur noch in Gewächshäusern, aber nicht mehr auf Äckern verwendet werden. Die Entscheidung tritt noch in diesem Jahr in Kraft. Dann müssen Landwirte andere Substanzen im Kampf etwa gegen Maiswurzelbohrer und Rapsglanzkäfer einsetzen.

Andere Neonikotinoide sind hingegen nicht von dem Freilandverbot der EU-Staaten betroffen. Sie sollen die Insekten weniger schädigen, gelten aber auch als nicht so wirksam in der Landwirtschaft.