4. Der Nordpol friert im Winter kaum mehr zu

Dramatisch ist die Situation bereits rund um den Nordpol. Seit Jahren geht dort die Meereisbedeckung zurück. Ende Februar 2018 – also am Höhepunkt des arktischen Winters in diesem Jahr – schwamm nur noch auf 14.189 Millionen Quadratkilometern gefrorenes Ozeanwasser. "Das ist die kleinste je in der Arktis gemessene Eisdecke am Ende des Monats Februar", sagt Christian Haas, Geophysiker an der York University im kanadischen Toronto. Das Problem, das die Entwicklung auch hier unaufhaltsam machen könnte: Ist das Eis einmal verschwunden, reflektiert das darunter liegende dunkle Wasser viel weniger Sonnenstrahlen. Forscher Haas sagt es so: "Eisflächen haben einen höheren Rückstrahleffekt als die Wasseroberfläche." Das Wasser heizt sich dann immer weiter auf und das noch schwimmende Eis auf dem Ozean schmilzt noch schneller.

5. Gletscher schmelzen teils unwiederbringlich

Neben dem eisbedeckten Nordpolarmeer sind auch große Landmassen der Erde in Eis gehüllt. Als Kippelemente gelten auch die großen Eisschilde auf Grönland oder am Südpol. "Wird ein bestimmter Temperaturbereich überschritten, kann die Maschine nicht mehr angehalten werden", sagt Boris Koch, Umweltwissenschaftler am AWI. Für den bis zu drei Kilometer dicken Eispanzer auf Grönland gilt ein Temperaturbereich "zwischen einem und zwei Grad. Taut allein dieser Eispanzer, steigt der Meeresspiegel um sieben Meter."

Ein Abschmelzen der Eispanzer in der Antarktis würde den Meeresspiegel weltweit sogar um 58 Meter anheben – das haben Klimamodellrechnungen ergeben. Allerdings braucht das seine Zeit. "Über einen Zeitraum von 10.000 Jahren kann die Antarktis eisfrei werden, wenn wir unsere fossilen Ressourcen vollständig verfeuern", sagt die PIK-Physikerin Ricarda Winkelmann, die das Abschmelzen des Eises am Südpol erforscht (Science Advances: Winkelmann et al., 2015). Deutlich schneller schmilzt das Eis auf der Landzunge in der Westantarktis: Dort herrschen höhere Temperaturen, weshalb der Klimawandel hier schon heute Spuren hinterlässt: Dort riss im vergangenen Jahr der riesige Eisberg Larsen-C ab.

6. Versiegt der Golfstrom, käme eine Eiszeit

Schmelzendes Gletschereis kurbelt die Erderwärmung nicht unmittelbar an. Vor Grönland aber gefährdet es den Golfstrom, die größte Energiepumpe der Welt. "Süßwasser ist leichter als Salzwasser, weshalb getautes Grönlandeis auf der Oberfläche des arktischen Ozeans schwimmt", sagt AWI-Wissenschaftler Boris Koch. Normalerweise kühlt sich das salzhaltige Ozeanwasser vor Grönland ab, es wird dabei schwerer und sinkt auf den Meeresgrund – und zieht Wasser aus der Karibik nach. "Getautes Süßwasser aber verhindert zunehmend die Tiefenwasserbildung. Der Motor beginnt zu stocken."

Schlimmstenfalls könnte der Golfstrom sich abschwächen oder gar versiegen. Das Horrorszenario wäre dann allerdings keine Heißzeit, sondern eine Eiszeit wie in Roland Emmerichs ansonsten wissenschaftlich wenig fundiertem Katastrophenfilm The Day After Tomorrow.

7. Geraten Monsun und Jetstream durcheinander, gibt es häufiger heftige Fluten und Dürren

Auch wichtige regionale Wettersysteme kommen zunehmend aus dem Takt. Steigt die globale Oberflächentemperatur um mehr als zwei Grad Celsius, wird der indische Monsun instabil. Entweder bleibt dann der gewohnte Regen aus, von dem das Leben von rund 500 Millionen Menschen abhängt, oder es gibt viel zu viel Regen. Ähnlich verhält es sich beim westafrikanischen Monsun, der durch den Temperaturunterschied zwischen Nord- und Südhalbkugel gesteuert wird. Ab einer Globalerwärmung von mehr als drei Grad kommt das System durcheinander: Mal könnte die Sahelzone noch trockener werden, mal könnte sie im Regen untergehen. Was das bedeutet, war 2007 zu beobachten, als 17 Länder dort mit Überschwemmungen kämpften.

In europäischen Breiten ist es der Jetstream, der mit steigender durchschnittlicher Temperatur durcheinandergerät: Diese kräftige Luftströmung auf der Nordhalbkugel (hier eine Animation) oberhalb von zehn Kilometern Höhe in der Troposphäre zieht sich um die gesamte Erde und bestimmt das Wetter mit. Die Launen des Jetstream werden wir nicht erst in der Zukunft spüren, sie sind längst Realität.