Der Agrarwissenschaftler Horst Gömann arbeitet bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Im November 2017 war er Referent bei dem vom Umweltbundesamt veranstalteten Workshop "Dialog zur Klimaanpassung: Von Starkregen bis Trockenheit – Anpassungsstrategien für die deutsche Landwirtschaft". Bis 2015 war er am Johann Heinrich von Thünen-Institut in Braunschweig tätig. Dort forschte er unter anderem im Projekt "Auswirkungen des zukünftigen Klimawandels auf Ertrag und Qualität der Nahrungspflanzen".

ZEIT ONLINE: Die Landwirtschaft steht in der Kritik: Landwirtinnen und Landwirte sollen ihr Wirtschaften endlich an den Klimawandel anpassen. Haben die Bauern bislang alles falsch gemacht?

Horst Gömann: Sicher nicht. Ein Bereich, in dem Landwirtinnen und Landwirte in den letzten Jahren sehr viel getan haben, ist die Bodenbearbeitung ohne Pflug. Wenn der Ackerboden etwa vor der Aussaat nicht gepflügt wird, bleibt die Bodenstruktur stabiler, Bodenorganismen werden geschont, der Boden kann mehr Wasser aufnehmen und speichern und er ist besser gegen Erosion geschützt. Außerdem spart der Bauer Diesel, weil er weniger mit dem Traktor auf dem Feld unterwegs ist. Auch das ist gut für den Klimaschutz.

ZEIT ONLINE: Aber sind ohne Pflug nicht wieder mehr Herbizide nötig?

Gömann: Ja, da muss man immer einen Kompromiss finden. Unter Umständen braucht es mehr Herbizide. Alternativ müsste die Unkrautbekämpfung mit einem höheren Aufwand mechanisch erfolgen, beispielsweise durch zusätzliche Arbeitsgänge mit Scheibeneggen, Hacken oder Striegeln. Das führt aber auch nicht immer zu einem zufriedenstellenden Ergebnis.

ZEIT ONLINE: Was können Landwirte noch tun? 

Letztes Jahr war es zu nass, dieses Jahr ist es zu trocken. Es ist extrem schwierig, sich darauf einzustellen
Horst Gömann, Agrarwissenschaftler

Gömann: Das A und O ist der Boden, den muss man in Ordnung halten. Indem Bauern Stroh und Zwischenfrüchte einarbeiten und mit Gülle oder Mist organisch düngen, lässt sich Humus aufbauen. Dadurch wird die Struktur des Bodens verbessert und er vermag beispielsweise Wasser nach Starkregen schneller aufzunehmen. Der Humusaufbau kann schon mal zehn Jahre oder mehr dauern. Der hohe Pachtanteil ist hier eine Hürde: Im Schnitt haben Landwirtinnen und Landwirte etwa 60 Prozent ihrer Flächen nur gepachtet. Sie können sich also nicht sicher sein, ob sie das Land in fünf oder zehn Jahren noch bewirtschaften. Da muss man sich Investitionen zweimal überlegen. Die Landwirtschaft ist ein komplexes System. Auch wenn bestimmte Dinge aus klimatischer Sicht nötig sind, sind sie aus wirtschaftlicher Sicht nicht immer einfach so realisierbar.

ZEIT ONLINE: Welche kurzfristigen Maßnahmen sind vielversprechend?

Gömann: Letztes Jahr war es zu nass, dieses Jahr ist es zu trocken. Es ist extrem schwierig, sich darauf einzustellen. Doch künftig haben wir es häufiger mit solchen stabilen Wetterlagen zu tun. Maßnahmen sind etwa: diversere Fruchtfolgen, ein Mix aus frühen und späten Sorten, oder, wie genannt, Humus aufzubauen und das Wasser im Boden zu halten. Wo möglich, werden die Bauern in Beregnungsanlagen investieren, allerdings nur für ausgewählte Kulturen wie Kartoffeln. Darüber hinaus können sich Landwirte gegen Schäden durch einige extreme Wetterereignisse versichern, gegen Trockenheit bislang allerdings nicht.