Lebensmittel, Verpackungen, Elektroschrott, Plastik: Die Menschheit müllt sich zu. Mit dem Schwerpunkt "Leben im Wegwerfmodus" folgen wir den Routen des Abfalls, zeigen, was er mit Mensch und Tier macht und wie er sich besser vermeiden ließe.

Gehören Kronkorken in den Restmüll oder in die gelbe Tonne? Was ist mit Backpapier – ab in die blaue Tonne oder in die graue, weil es beschichtet ist? Und was ist eigentlich mit den Deckeln vom Marmeladenglas? Wer hierzulande seinen Hausmüll ordnungsgemäß trennen möchte, kann daran leicht verzweifeln.

Verwirrend wird es auch, weil es den rund 11.000 Kommunen freisteht, ihren Müll nach eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen zu erfassen. Im Artikel 28 des Grundgesetzes ist die Kommunale Selbstverwaltung festgeschrieben. Die vielerorts braune Tonne (für Bioabfälle) ist in Hamburg beispielsweise grün. Unter anderem in Berlin gibt es eine gelbe oder orangefarbene Wertstofftonne, während beispielsweise im Landkreis Friesland noch unklar ist, ob sie überhaupt kommt. In Ludwigsburg wiederum haben Anwohner die Wahl zwischen grüner Tonne "rund" oder "flach". Und damit nicht genug: Wird der Müll in manchen Regionen abgeholt, müssen die Bürger in einigen Landkreisen wiederum Leichtverpackungsabfälle auf eigene Kosten zu zentralen Sammelstellen transportieren.

"Einige Gemeinden verweigern etwa die bundesweit geltende Sammlungspflicht für Bioabfälle", sagt Peter Kurth, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE). Laut aktuellen Daten des Naturschutzbunds bieten 24 Kreise noch immer keine Tonne an trotz gesetzlicher Pflicht. Kommunen verwalten sich selbst und können aus der örtlichen Nähe heraus und unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten Art und Umfang der getrennten Abfallsammlung nach konkreten Kriterien aus der Praxis festlegen.

Da ist es wohl nur fair zu sagen: Müll korrekt zu entsorgen, ist durchaus kompliziert. Aber auch: Mit ein wenig Übung kommt Ordnung ins Chaos. Probieren Sie es doch mal mit unserer Grafik.

Gar nicht so einfach, richtig zu trennen. Und bei der Mülltrennung kommen Pedanten wahrlich auf ihre Kosten. Wer es genau nimmt, entfernt beispielsweise den Deckel vom Marmeladenglas, wirft ihn in die Wertstofftonne und das Glas ins Altglas. Nudelpackungen mit Plastikfenster gehören streng genommen zerlegt – der Kasten in die Papiermülltonne, die herausgeschnittene Folie in den Gelben Sack. Ähnliches gilt für Zigarettenschachteln, ebenfalls eine mehrteilige Verkaufsverpackung. Die Faltschachtel gehört in das Altpapier, Kunststoffumhüllung und Innenlage aus beschichtetem Papier in den Gelben Sack.  

Es darf noch penibler sein? Dann ist ein Fläschchen Nagellack zu empfehlen: Mit Nagellackentferner oder Terpentin den alten Lack verdünnen, gut schütteln und aus dem Glasfläschchen in ein Marmeladenglas schütten. In diesem die Reste des Nagellack-Terpentin-Gemisches sammeln, bis das Glas voll ist. Dieses zu einer Schadstoffsammelstelle bringen, das Marmeladenglas kommt in den Altglascontainer, ebenso das leere Fläschchen. Deckel und Pinsel – sofern aus Plastik – wiederum in den Gelben Sack.

Der Grüne Punkt wird unsichtbarer

Dieser eint das Land seit rund zwei Jahrzehnten. Gelber Sack und gelbe Tonne gehen auf die Verpackungsordnung aus dem Jahr 1991 zurück, die die Wirtschaft erstmals verpflichtete, gebrauchte Verpackungen zurückzunehmen und möglichst wiederzuverwerten. Die Hersteller und Vertreiber müssen sich demnach an der Entsorgung ihrer an den privaten Endverbraucher gerichteten Verpackungen beteiligen. Dieser private Zweig der Abfallentsorgung trägt auch den Namen Duales System; umgangssprachlich Grüner Punkt genannt.

Hier sei jedoch angemerkt: Seit 2009 muss dieses Symbol, das nur ein Markenzeichen eines der am Markt agierenden dualen Systeme darstellt, gar nicht mehr auf allen Verpackungen abgebildet werden, deren Entsorgung über die gelbe Tonne, die Papiertonne und die Glastonne bereits bezahlt ist. Am besten merkt man sich, dass nur das Material der Verpackung entscheidet, welche Tonne richtig ist.

Je besser Abfall getrennt ist, desto höher die Recyclingquote

Glas in die gelbe Tonne? Bestimmt nicht. Aber was ist mit dem Nudelkarton mit Sichtfenster? © Caroline Seidel/dpa: chuttersnap/unsplash

Egal ob eine Verpackung den Punkt trägt oder nicht – aus gutem Grund ist das System mit dem Gelben Sack noch heute gültig. Wie aus den aktuellsten Daten des Deutschen Industrie- und Handelskammertags hervorgeht, verbrauchten die Deutschen 2016 etwas mehr als 1,5 Millionen Tonnen Leichtverpackungen – Milchkartons, Joghurtbecher, Alufolie. Das alles ließe sich verbrennen. Doch es ist sinnvoller, aus dem alten Material neue Stoffe zu gewinnen und möglichst viel wiederzuverwerten.

Eine wesentliche Regel lautet dabei: Je besser der Abfall von Restmüll getrennt ist, desto höher die Recyclingquote. Im Fall eines Joghurtbechers gilt daher beispielsweise:

Regel 1: Den ausgelöffelten Joghurtbecher nicht spülen, sondern ab damit in die gelbe Tonne.


Regel 2: Vorher den Deckel vom Becher abmachen. Er kommt auch in die gelbe Tonne. Nur separat.


Regel 3: Die Pappbanderole gehört ins Altpapier. 


Doch, so heißt es immer wieder, die Deutschen tun sich schwer mit dem Gelben Sack. Etwa die Hälfte des darin entsorgten Abfalls gehöre dort gar nicht hinein, heißt es immer wieder.

Zuletzt hat dies der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) bekannt gegeben. Laut einem Bericht, der im April erschien, liege die Quote der Fehlwürfe bei der gelben Tonne zwischen 40 und 60 Prozent. "Tatsächlich wird häufig von einer Fehlwurfquote von 40 Prozent gesprochen", sagt auch Susanne Jagenburg , Pressesprecherin der Alba Group, einem Recyclingunternehmen. "Doch bundesweit ist diese sehr unterschiedlich. Vielerorts liegen wir deutlich darunter." Am besten schneiden Siedlungen mit Einfamilienhäusern ab. Leben jedoch mehrere Parteien geradezu anonym nebeneinander in einem Hochhaus, geht es deutlich wilder zu.

Falsch einwerfen geht sowohl regulär als auch intelligent

"Die Tonnen richtig zu befüllen, ist insbesondere eine Kommunikationsaufgabe", sagt BDE-Präsident Peter Kurth. "Bei manchen Materialien kommen beim Verbraucher Zweifel auf, wie sie richtig entsorgt werden. Hier müssen wir mit entsprechenden Informationen Klarheit schaffen und können so Fehlwürfe minimieren."

Unterschieden wird zwischen regulären und intelligenten Fehlwürfen: Landet etwa die Verpackung mit leicht verschimmeltem Quark oder Gartenabfall mitsamt Plastiksack in der Biotonne, spricht er von einem regulären Fehlwurf. Wer hingegen eine Plastikklobürste in die gelbe Tonne stopft, hat zwar nachgedacht, aber falsch entschieden. Denn bei dem Entsorgten handelt es sich schließlich nicht um eine Verpackung.

Regionale Ausnahmen allerdings sind auch bei der gelben Tonne möglich. So haben manche Kommunen beispielsweise eine Wertstofftonne eingeführt, in die auch Nichtverpackungen aus Metalle oder Kunststoffe dürfen.

"Wenn es nach der privaten Entsorgungswirtschaft in Deutschland ginge, dann könnte eine Wertstofftonne sehr gut die gelbe Tonne ablösen", sagt BDE-Chef Kurth, "weil eine Sammlung in der Wertstofftonne noch weitere Materialien einbezieht, deren Sammlung und Recycling wichtig sind." Es sei ökologisch sinnvoll und umweltverträglich, wenn mit einer Wertstofftonne nicht nur Verpackungsmaterial gesammelt wird. "Unser Ziel muss sein, von einer Verbrauchswirtschaft zu einer Gebrauchswirtschaft zu kommen", sagt Kurth. Je breiter die Sammlung, desto schneller lässt sich dieses Ziel erreichen.