Lebensmittel, Verpackungen, Elektroschrott, Plastik: Die Menschheit müllt sich zu. Mit dem Schwerpunkt "Leben im Wegwerfmodus" folgt ZEIT ONLINE den Routen des Abfalls und zeigt, was er mit Mensch und Tier macht und wie er sich besser vermeiden ließe.

Papier, Glas und Verpackungen gehören in unterschiedliche Tonnen. Kleidung kommt in die Sammlung, Elektroschrott auf den Wertstoffhof. So gehört sich das in Deutschland seit 1991 – aus gutem Grund. Die Mülltrennung in den privaten Haushalten mag zwar mühsam sein, dient aber dem Umweltschutz. Denn wer Abfälle korrekt entsorgt, hilft, immerhin einen Teil der Millionen Tonnen Müll, die jährlich anfallen, sinnvoll wiederzuverwerten. Vor allem für umweltschädliches Plastik ist das relevant. Dabei gilt: Je besser die Mülltrennung funktioniert, desto besser lässt sich Verpackungsabfall recyceln.

Allerdings stehen selbst Menschen mit besten Absichten hin und wieder ratlos vor der Tonne und fragen sich: Wo kommt das bloß rein? In einem Spiel konnten Leserinnen und Leser von ZEIT ONLINE ihr Wissen anhand von zehn Beispielabfällen testen. Mehr als 270.000 Menschen haben bisher das interaktive Müllspiel gemacht – mit einer durchschnittlichen Fehlwurfquote von 35 Prozent (Stand: 28. August 2018).

Einige Produkte bereiten beim Zuordnen generell deutlich mehr Schwierigkeiten als andere. Repräsentative  deutschlandweite Studien haben beispielsweise schon gezeigt, dass die Deutschen Papier, Pappe und Karton zu mindestens 90 Prozent korrekt entsorgen; die Fehlwurfquote ist hierbei also gering. Deutlich problematischer sind Plastikabfälle, die in den Gelben Sack gehören. Hierbei liege die Quote der Fehlwürfe zwischen 40 und 60 Prozent, teilte Mitte April der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung mit.

Ungebleichte Kaffeefilter – zielsicher versenkt

Die ZEIT-ONLINE-Leserschaft stand vor der Aufgabe, Kaffeekapseln, Glühbirnen, Taschentücher, Energiesparlampen, Käserinden, Nudelverpackungen, Hustensaftflaschen – stellvertretend für abgelaufene Medikamente –, Backpapier, ungebleichte Kaffeefilter und Fotos korrekt zu entsorgen. Zur Auswahl standen Restmüll, Gelbe Tonne, Biomüll, Altpapier, Altglas und Sonstiges, worunter beispielsweise Schadstoffsammelstellen fallen. Die Wertstofftonne – hier dürfen Kunststoffe und Metalle hinein – war nicht im Angebot, weil es sie bisher nur vereinzelt in Deutschland gibt.

Besonders herausfordernd waren den Daten zufolge die Flasche mit abgelaufenem Hustensaft und die Glühbirne – in mehr als der Hälfte der Fälle entsorgten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gegenstände falsch (siehe Grafik unten). Denn auch wenn die Flasche aus Glas ist, sollten abgelaufene Medikamente in den Restmüll, nicht ins Altglas. Bestenfalls bringt man sie zurück in die Apotheke. Wichtig: Die Mittel dürfen niemals über die Toilette entsorgt werden! Denn dann gelangen sie mitunter über das Abwasser ins Grundwasser oder in Seen und Flüsse.

Glühbirnen sowie Halogenlämpchen kommen ebenfalls in den Restmüll. Sie bestehen zwar aus Metall und Glas, enthalten aber keine Inhaltsstoffe, die bei der Entsorgung die Umwelt belasten. Problematisch wäre, sie in den Altglascontainer zu werfen, weil Verpackungsglas einen anderen Schmelzpunkt als Glas von Leuchtmitteln hat und – falsch entsorgt – das Recycling behindern würde.

Anders als Glühbirnen handelt es sich bei Energiesparlampen um Gasentladungslampen. Sie zählen somit zu den Elektrogeräten. Auch weil sie giftiges Quecksilber enthalten, dürfen sie nicht in den Restmüll, sondern müssen beim Wertstoffhof, dem Elektroladen oder anderen Sammelstellen abgegeben werden. Auch lassen sich Kupfer, Aluminium und Zinn, die in ihnen stecken, in einem aufwendigen Prozess zurückgewinnen und wiederverwenden.

In den vergangenen Jahren sind Recyclingverfahren immer besser geworden. Das ist löblich. Doch selbst das beste Recycling wird das Müllproblem nicht lösen. Aus Joghurtbechern, Milchtüten oder Eierkartons lassen sich derzeit zwar zahlreiche neue Produkte wie Fasern für Kleidung, Wäschekörbe oder Druckerpapier, aber eben nicht erneut Lebensmittelverpackungen herstellen (siehe Diagramm oben). Statt eines geschlossenen Kreislaufs darf man sich den Prozess zur Wiederverwertung eher als Abwärtsspirale vorstellen: Deshalb spricht man auch von Downcycling statt Recycling. Nach jeder Runde entsteht ein schlechter recycelbares Produkt, übrig bleibt letztlich Müll, der bloß noch zum Verfeuern gut ist.

Recycling bekämpft daher nur die Symptome, nicht die Ursache. Nur wenn weniger produziert wird, bleibt am Ende weniger Abfall übrig. Hier sind also nicht nur Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern vor allem die Hersteller gefragt.

Sie sind mit Ihrem Ergebnis noch nicht zufrieden oder haben bislang nicht teilgenommen? Hier haben Sie noch mal die Chance – mit dem Vorteil, dass sich im Text oben manche Antwort findet: