Selbst bei modernen Kreuzfahrtschiffen kommt überwiegend noch immer Schweröl als Kraftstoff zum Einsatz. Zu diesem Ergebnis kommt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Demnach setzen vor allem die großen Anbieter MSC Cruises, Celebrity Cruises und Royal Caribbean auf den "dreckigsten aller Kraftstoffe".

Der Nabu überprüfte nach eigenen Angaben 76 Kreuzfahrtschiffe, darunter auch neun, die erst in diesem Jahr an den Start gehen. Fast alle werden demnach mit Schweröl betankt – beziehungsweise bebunkert, wie es in der Seefahrt heißt. Die Ausnahme sei ein Neubau des Anbieters Aida, die Aida Nova, die als als erstes Kreuzfahrtschiff der Welt mit Flüssiggas, einem deutlich schadstoffärmeren Kraftstoff, betrieben wird. Dadurch werde insbesondere die Luftqualität für Anwohnerinnen und Anwohner in Hafenstädten und in Küstennähe verbessert, teilte der Nabu mit.

Nabu-Geschäftsführer Leif Miller bezeichnete es als Skandal, dass Umweltschutz in der Branche keine Rolle spiele. Miller und seine Organisation fordern "Einfahrverbote für schmutzige Kreuzfahrtschiffe", wie sie beispielsweise in Norwegen in einigen Fjorden gelten. Nur so sei die Gefahr für die Gesundheit der Anwohner und für sensible Ökosysteme kurzfristig einigermaßen in den Griff zu kriegen.

Kritik an Reedern

In diesem Zusammenhang warf der Nabu den Reedern aber vor, sich der Verantwortung zu entziehen. Das gelte auch für die deutschen Anbieter Hapag-Lloyd Cruises und TUI Cruises, die zwar bei Neubauten inzwischen Stickoxidkatalysatoren einsetzen oder während eines Hafenstopps den Strom vom Land beziehen würden. Einen Partikelfilter zur Senkung der besonders gesundheitsschädlichen Rußpartikel sei aber auch bei diesen Schiffen nicht vorhanden.

Die Verwendung von Flüssiggas wie im Fall der Aida Nova findet der Nabu zwar lobenswert, ein "Heilsbringer für die Schifffahrt" sei dieser Kraftstoff – immerhin ebenfalls ein fossiler – aber nicht. Vielmehr müsse die Branche einen "massiven technologischen Wandel" einleiten und Kraftstoffe einsetzen, die nicht nur die Luftschadstoffe, sondern auch den CO2-Ausstoß deutlich reduzieren.