EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete will die EU-Staaten ermutigen, ihr offizielles Klimaziel zu erhöhen. Im Vergleich zu 1990 soll die Emission von Treibhausgasen bis 2030 statt wie geplant um 40 nun um 45 Prozent sinken, kündigte Cañete im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur an. Dazu will er demnächst einen Plan vorlegen, der bis Oktober beschlossen werden könnte.

Der Klimaschutz befindet sich in der Krise, seit US-Präsident Donald Trump das Pariser Abkommen von 2015 aufgekündigt hat. Gleichzeitig stärkt der Hitzesommer die Sorge, dass der Klimawandel längst begonnen hat. Vor diesem Hintergrund wäre ein ehrgeizigeres EU-Klimaziel laut Cañete ein Signal an die anderen Staaten.

Nach Cañetes Berechnungen kann das neue Ziel erreicht werden, wenn die neuen EU-Beschlüsse zum Energiesparen und zum Ausbau erneuerbarer Energien umgesetzt werden. Die ursprünglich geplanten Ziele in beiden Sparten waren im Frühsommer im Konsens von Kommission, Europaparlament und Mitgliedsstaaten erhöht worden: Statt um 30 Prozent soll die Energieeffizienz bis 2030 um 32,5 Prozent steigen; der Anteil von Ökoenergie am gesamten Bedarf soll auf 32 Prozent wachsen statt nur auf 27 Prozent.

Ein starkes Argument bei der nächsten Klimakonferenz

"Auf Grundlage unserer Rechenmodelle würden wir de facto eine Reduzierung der Treibhausgase um 45 Prozent in der EU erreichen", sagte Cañete. "In jedem Fall ist die EU in einer starken Position, sich an der politischen Diskussion über ehrgeizigere Ziele bei der anstehenden Weltklimakonferenz in Kattowitz zu beteiligen." In der polnischen Stadt soll im Dezember über die Regeln zur Umsetzung des Pariser Abkommens verhandelt werden. Es ist geplant, dass die Vertragspartner bis 2020 ehrgeizigere Ziele nachmelden.

2015 hatte die Weltgemeinschaft vereinbart, die globale Erwärmung bei höchstens zwei Grad – möglichst bei sogar nur 1,5 Grad – zu stoppen, um katastrophale Folgen abzuwenden. Gemeint ist die mittlere Temperatur im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten. Die Ziele erfordern bis 2050 eine Abkehr von Kohle, Öl und Gas sowie einen Umbau der Weltwirtschaft. Die EU versteht sich als treibende Kraft. Doch nicht alle sind bereit, ehrgeizigere Ziele mitzutragen. So hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier versucht, die EU-Verhandlungen zur Energieeffizienz und Ökoenergie zu bremsen. In beiden Fällen hielt der CDU-Politiker nur 30 Prozent für realistisch.

Deutschland wird sein eigenes Klimaziel verfehlen, schon 2020 mindestens 40 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als 1990. Für 2030 hat die Bundesregierung die Vorgabe aber noch höher gelegt als die EU: Dann soll Deutschland eine Senkung von 55 Prozent erreichen.

Umweltschützerinnen und Umweltschützern ist selbst das von Cañete angeregte 45-Prozent-Ziel der EU zu wenig. Um die globale Erwärmung auf zwei Grad zu beschränken, müsse die EU 55 Prozent einsparen, sagte Klaus Röhrig vom Climate Action Network. Zuletzt hatte auch der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte dafür plädiert, die EU solle sich 55 Prozent bis 2030 vornehmen.