Nach Lidl, Edeka und Rewe hat mit Aldi ein weiterer großer Handelskonzern eine "Offensive gegen Verpackungsabfall" angekündigt. Ziel sei es, Verpackungen zu reduzieren und insgesamt weniger umweltschädlich zu gestalten, teilte der Konzern mit. Aldi will demnach bis zum Jahr 2025 die Verpackungsmenge bei seinen Eigenmarken um 30 Prozent senken. Wo sich Verpackungen nicht vermeiden lassen, sollen diese bis 2022 vollständig recyclingfähig sein.

Laut Zahlen des Umweltbundesamtes produzierten die Bundesbürger im Jahr 2016 pro Kopf rund 220,5 Kilogramm Verpackungsmüll – ein Höchstwert in Europa. Rund 95 Prozent der Teilnehmer plädierten bei einer Umfrage der Unternehmensberatung PwC dafür, die Materialmenge bei Verpackungen auf ein Minimum zu reduzieren. Über 80 Prozent fanden außerdem, dass bei Produkten wie Obst und Gemüse eine Verpackung überflüssig sei.

Konkurrent Lidl hatte schon im Februar angekündigt, den Plastikeinsatz in Deutschland durch Änderungen an den Verpackungen der Eigenmarkenprodukte bis 2025 um mindestens 20 Prozent drücken zu wollen. "Wir analysieren seit längerer Zeit in enger Abstimmung mit unseren Lieferanten sehr sorgfältig, wo wir auf Plastik ganz verzichten oder wo wir auf alternative Verpackungsmöglichkeiten zurückgreifen können", sagte Jan Bock, Geschäftsleiter Einkauf bei Lidl Deutschland.

Plastik im Meer - Erst vergiften wir den Ozean, dann uns selbst Millionen Tonnen Kunststoff landen jedes Jahr im Meer und schaden Tieren und der Natur. Als Mikropartikel atmen wir ihn auch ein. Ein Erklärvideo © Foto: youtube.com/cheeseandjamsandwich

Eine Möglichkeit zum Materialsparen ist auch, die Verpackungen dünner zu machen. So wurde beispielsweise vor Kurzem die Foliendicke einiger Toastbrotverpackungen bei Lidl um 25 Prozent reduziert. Und auch bei Fleisch setzt das Unternehmen auf neue "Flat-Skin-Verpackungen", die den Kunststoffverbrauch pro Teil um rund 60 Prozent verringern.

Bananen werden inzwischen bei Rewe und Penny nur noch unverpackt verkauft. Die Produktinformationen stehen auf Klebebanderolen oder -etiketten. Edeka gibt in einem Pilotmarkt im schleswig-holsteinischen Büsum Kunden die Möglichkeit, frische Lebensmittel an der Fleisch- und Wursttheke mit einer Mehrwegdose einzukaufen.

Benjamin Bongardt vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) begrüßt das wachsende Engagement der Lebensmittelhändler beim Thema Verpackungsmüllvermeidung. Mit ihren Eigenmarken könnten sie hier Vorbild sein. Denn viele Markenartikler, die nach wie vor auf aufwendige Verpackungen setzten, hätten das Problem bislang verschlafen. "Sie sind jetzt in Zugzwang", meint der Umweltschützer.