Noch hält 2006 den Rekord. Das Jahr des Fußballsommermärchens, als die WM-Welt in Deutschland noch heil und eben heiß war. Aber der Juli 2018 war dennoch so warm, so sonnig und so trocken wie kaum ein anderer seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Immerhin reichte es für einen Spitzenwert von 39,5 Grad Celsius in Bernburg, Sachsen-Anhalt. Der Juli ist zusammen mit 2006, 1994, 1983 und 2010 damit einer der fünftwärmsten seit Messbeginn, wie der Deutsche Wetterdienst mitgeteilt hat. Mit durchschnittlichen 20,3 Grad Celsius pro Tag.

Heiß, heißer, Juli

Das sind die Durchschnittstemperaturen im Monat Juli in Deutschland seit Messbeginn 1881. Die fünf wärmsten Monate sind rot markiert.

Das passt in einen Langzeittrend. Denn seit 1881 hat sich Deutschland langsam, aber stetig erwärmt, wie die folgende Grafik zeigt:

Es wird immer wärmer in Deutschland

Langfristig gehen die Temperaturen im Jahresdurchschnitt seit Beginn der Wetteraufzeichnungen nach oben.

Im Mittel sind die Jahresdurchschnittstemperaturen hierzulande um 1,37 Grad Celsius angestiegen. Das zeigt die rote gerade Linie oben. Die Temperatur ist ein guter Indikator, weil sie in Messungen und Computermodellen gut und relativ genau zu handhaben ist.

Klimaforscher und Meteorologinnen sind sicher, trotz aller ihnen bekannten natürlichen Schwankungen: Die zuletzt gemessenen Temperaturen liegen immer häufiger über den Höchstwerten, die man früher beobachtete.

Betrachtet man die einzelnen Monate, gibt es ebenfalls Auffälligkeiten. Etwa, dass seit 1881 jeder Monat insgesamt wärmer geworden ist. Neun der zwölf wärmsten Monate verzeichneten Forscherinnen und Forscher dabei zwischen 2003 und 2018. Wärmerekorde erzielten zuletzt in diesem Jahr die Monate April und Mai:

Nach dem wärmsten Monat ist vor dem wärmsten Monat

Wärmste () und kälteste () Monate seit 1881. Die meisten Wärmerekorde wurden in den vergangenen 15 Jahren gesetzt, Kälterekorde gab es seit mehr als 75 Jahren nicht mehr.

Deutschland wird wohl wärmer, weil auch die Erde insgesamt wärmer wird. So zeigen etwa Klimaprognosen der wissenschaftlichen Initiative Euro-Cordex für Deutschland: Je nachdem, wie sich der globale Ausstoß an Kohlendioxid (CO₂) entwickelt, drohen hierzulande langfristig mehr Hitzetage mit mehr als 30 Grad Celsius und längere Dürren. Und bis heute brechen nicht nur die CO₂-Werte selbst immer wieder neue Rekorde.

Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts werden die wärmsten Tage und Hitzeperioden wahrscheinlich zunehmen, Kälteperioden hingegen abnehmen oder ganz verschwinden. So lauten die Vorhersagen des Projekts Regionale Klimaprojektionen Ensemble für Deutschland. Das gilt vermutlich auch, wenn sich Klimaschutzmaßnahmen durchsetzen. Die Folgen könnten aber weniger stark sein, würde unter anderem der Kohlendioxidausstoß zurückgehen. "Wenn wir die Emissionen von Treibhausgasen nicht auf Null reduzieren, werden die Temperaturen weiter steigen", sagt Katja Frieler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. "Dann wird ein besonders heißer Sommer wie dieser normal werden."

Jedes Jahr als Klimakurve seit 1881

Seit Messungsbeginn wandeln sich die Temperaturen von Januar bis Dezember stetig.

Die Zahl meteorologischer Katastrophen dürfte so oder so steigen. Es geht dabei nicht nur um Dürren, sondern auch um Hochwasser und Starkregen. "Wir Klimaforscher erklären es damit, dass mit den höheren Temperaturen mehr Energie in der Atmosphäre vorhanden ist. Es ist auch weit mehr Wasser dort", sagt Harald Kunstmann, Klimaforscher vom Karlsruher Institut für Technologie. "Damit können extremerer Niederschlag und extremere Stürme passieren."

Weltweit waren die vergangenen vier Jahre die wärmsten seit Beginn meteorologischer Aufzeichnungen im späten 19. Jahrhundert. Das bestätigt auch der gerade veröffentlichte Jahresbericht der US-Klima- und Ozeanbehörde Noaa. Das vergangene Jahr war demnach das drittwärmste Jahr seit Messbeginn.

Künftig muss Deutschland mit mehr stabilen und warmen Wetterlagen rechnen. Das macht Hitze dann häufiger extrem. "Wir werden uns auf diese Änderungen vorbereiten müssen", sagt die Klimawirkungsforscherin Frieler. Und fügt hinzu: "Wir verlassen mit dem Klimawandel den Bereich der Wetterbedingungen, den wir kennen."

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