Gefühlt haben wir fünf Monate Dauersommer hinter uns, Landwirte litten unter der extremen Trockenheit – zuletzt loderten Waldbrände. Immer wieder ist zu lesen, wie die globale Erderwärmung auch hierzulande spürbar wird. Nun hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine erste Bilanz gezogen. Und Überraschung: 2018 war nicht der heißeste Sommer aller Zeiten. Aber was heißt das jetzt? Meteorologe und Wettermoderator Karsten Schwanke erklärt, was die Daten verraten.

Kein neuer Hitzerekord, die 40-Grad-Marke wurde nicht einmal erreicht und der Zeitraum Juni bis August, also der sogenannte meteorologische Sommer, hat mit seiner deutschlandweiten Durchschnittstemperatur 2003 nicht überflügeln können. Und trotzdem: Ja, auch 2018 war ein Rekord-, um nicht zu sagen ein Jahrhundertsommer.

Karsten Schwanke ist Meteorologe, Wissenschaftsjournalist und Wettermoderator in der ARD. Er moderiert zahlreiche Wissenschaftssendungen und berichtet als Reporter aus dem Ausland. © Karsten Schwanke

Zunächst die puren Fakten – und beschränken wir uns zuerst auf den statistisch relevanten Sommerzeitraum vom 1. Juni bis zum 31. August: 2018 liegt nach dem Hitzesommer 2003 an zweiter Stelle und war damit wärmer als jeder Sommer des letzten Jahrhunderts. Dazu war es sehr sonnig und extrem trocken. Im Norden und Osten Deutschlands führen die Messwerte aus diesem Jahr sämtliche Hitlisten an. Hierzulande war es in vielen Regionen wärmer, trockener und sonnenscheinreicher als jemals zuvor seit Beginn der Messaufzeichnungen. In Sachsen-Anhalt wurden in allen drei Disziplinen neue Rekorde aufgestellt.

Wärmer, trockener, sonniger

Noch bemerkenswerter ist die Bilanz, wenn wir den Blick über die Sommermonate hinaus werfen: Seit Februar war jeder Monat zu trocken. Seit April war jeder Monat zu warm. Und wie!

Los ging es mitten im Frühling. Am 7. April stieg die Temperatur erstmals in diesem Jahr auf mehr als 25 Grad Celsius (per Definition also ein Sommertag). Insgesamt schraubte sich der April mit einer Temperaturabweichung von fast fünf Grad (im Vergleich zum Mittel von 1961 bis 1990) zum wärmsten April seit 1880 empor. Der Mai (fast vier Grad wärmer) machte munter so weiter: Er belegt Nummer eins auf der 138-jährigen Temperatur-Hitliste.

Der Vorlauf zum eigentlichen Sommer hatte es also schon in sich. Juni, Juli und August bauten darauf auf. Diese Mischung aus einer monatelangen Trockenheit und einer langen Warmphase gab es so seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie. Die Messdaten von Potsdam (mit einer mehr als hundertjährigen Messreihe) zeigen das sehr deutlich anhand der Anzahl der Sommertage (siehe Grafik). Bis Ende August gab es 82 Sommertage – weit mehr als in den Rekordsommern 1947 oder 2003. Und es gab von April bis August noch nie so viele Tage völlig ohne Regen wie in diesem Jahr. Das sind die eigentlichen Rekorde, die den Jahrhundertsommer 2018 charakterisieren.