In der Bucht von San Francisco hat heute eine neuartige Müllsammelanlage abgelegt. Das 600 Meter lange System steuere im Pazifik auf den größten Müllstrudel der Erde zu, teilte die initiierende Organisation "The Ocean Cleanup" mit. Dort werde es künftig Plastikmüll zusammentreiben und einsammeln.

Das System besteht nach Angaben der Organisation aus einer schwimmenden Wand, die Plastikteile in einer Tiefe von bis zu drei Metern zusammentreibt. So soll der Müll gesammelt und von Schiffen abtransportiert werden. Die im Meer lebenden Tiere könnten  unter der Wand hindurchschwimmen, teilte die Organisation mit. Der Einsatzort des Systems ist im pazifischen Müllstrudel zwischen Kalifornien und Hawaii. Dieser ist mehr als viermal so groß wie Deutschland. Es gibt zudem vier weitere Plastikstrudel in den Ozeanen.

Die Müllstrudel der Meere

Plastikabfälle im Meer bewegen sich zu den Strömungswirbeln der Weltmeere nahe des Äquators. In ihrem Innern sammeln sich Kunstoffpartikel, sie werden spiralförmig zum Zentrum der Strudel gesogen.

1 Nordpazifischer Müllstrudel bzw. Great Pacific Garbage Patch 2 Südpazifischer Müllstrudel 3 Müllstrudel des Indischen Ozeans 4 Südatlantischer Müllstrudel 5 Nordatlantischer Müllstrudel

Das Team um den 24-jährigen Niederländer Boyan Slat will die Konstruktion demnach zunächst knapp 500 Kilometer vor der kalifornischen Küste weiteren Tests unterziehen, bevor das Projekt final startet. Slat konnte Investoren sowie zahlreiche Universitäten und Unternehmen für sein Millionenprojekt gewinnen. Die Zentrale ist im niederländischen Delft, vor der Nordseeküste wurden die ersten Prototypen getestet. Sollten auch die Tests vor der US-amerikanischen Küste positiv verlaufen, könnten 60 derartige Anlagen im Pazifik installiert werden.

Meeresforscherinnen und Wissenschaftler loben zwar den Einsatz von Slat und seinem Team. Allerdings könne The Ocean Cleanup nur sehr begrenzt etwas ausrichten. "Der beste Effekt ist, dass sie Aufmerksamkeit generieren für das Problem", sagte kürzlich der Meeresforscher Mark Lenz vom Geomar in Kiel zu ZEIT ONLINE. "Die Prognose des Teams ist es, innerhalb von fünf Jahren ungefähr 35.000 Tonnen Plastikmüll einzusammeln." Eine riesige Menge, doch im Vergleich verschwindend gering: "Das sind geschätzt 0,5 Prozent des Plastiks, das pro Jahr in die Weltmeere gelangt." The Ocean Cleanup doktere an den Symptomen herum. "Wenn der Müll in der Umwelt ist, wird es sehr teuer und aufwendig, ihn zu beseitigen." Es gebe nur einen Weg, sagt Lenz: "Wir müssen das Müllproblem an Land lösen."

Plastik im Meer - Erst vergiften wir den Ozean, dann uns selbst Millionen Tonnen Kunststoff landen jedes Jahr im Meer und schaden Tieren und der Natur. Als Mikropartikel atmen wir ihn auch ein. Ein Erklärvideo © Foto: youtube.com/cheeseandjamsandwich

Mehr als die Hälfte der Kunststoffabfälle im Meer stammt aus nur fünf Ländern, darunter China, Indonesien und die Philippinen (Science: Jambeck et al., 2015). Das meiste schwemmen Flüsse und Gewässer ins Meer hinaus. An deren Ufern sammelt sich der Abfall auf wilden Deponien, wo Müll der Bevölkerung und aus der Industrie direkt in die Umwelt gekippt wird. Am Müllmanagement in diesen Ländern muss sich etwas ändern. In geringerem Ausmaß treiben zudem auch Kläranlagen weltweit Mikroplastik ins Meer. Alles, was die Filter an Plastikfasern aus Kleidung und Teilchen aus Cremes und Shampoos nicht herausziehen können. Zusätzlich geht Müll absichtlich oder unabsichtlich von Schiffen über Bord, Fischernetze landen im Wasser oder Stürme und Fluten reißen Trümmer vom Land hinaus aufs Meer. 

Im Meer forme Plastik zudem keinen großen Teppich, sagt die Tiefseeökologin Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut. An den fünf großen Müllstrudeln in den Ozeanen sehe es "eher aus wie in einer Plastiksuppe". Mikroplastik, also Teilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind, sind das weitaus größere Problem. Und das finde sich nicht in erreichbarer Nähe für die Filteranlagen von The Ocean Cleanup: "Das Allermeiste sinkt Richtung Boden", sagt Bergmann. "Derzeit wissen wir  nicht, wo 99 Prozent unseres Plastikmülls in den Meeren gerade ist."

Lebensmittel, Verpackungen, Elektroschrott, Plastik: Die Menschheit müllt sich zu. Mit dem Schwerpunkt "Leben im Wegwerfmodus" folgt ZEIT ONLINE den Routen des Abfalls, zeigen, was er mit Mensch und Tier macht und wie er sich besser vermeiden ließe.