Wie deutlich diese Botschaft am Montag ausfallen wird, bleibt abzuwarten. Aufgabe des im November 1988 gegründeten Gremiums, das auf Deutsch "Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen" heißt, ist es zwar, die Politik zu beraten, indem der wissenschaftliche Sachstand zusammengetragen wird. "Zwischenstaatlich" bedeutet aber auch, dass es sich um einen politischen Ausschuss handelt: Kein Bericht des Weltklimarates wird veröffentlicht, ohne zuvor durch Vertreterinnen und Vertreter der 195 Regierungen "abgenommen" worden zu sein – also in ihrem Sinne beeinflusst.

Anders als auf den internationalen Klimakonferenzen wird es aber in jedem Falle ein Ergebnis geben: Die Staatsvertreterinnen und -vertreter dürfen die Summary for Policymakers nämlich nicht blockieren. "Wenn einzelne Staaten mit Formulierungen nicht einverstanden sind, wird dies als Fußnote vermerkt", erklärte Christiane Textor im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Dies sei in der Vergangenheit sehr selten passiert. "Die Wissenschaftler haben zudem ein Vetorecht." Damit sei gesichert, dass die Aussage des Reports nicht verwässert werde.

Ein Grad zu warm ist die Erde schon

"Der Mensch hat die Erde bereits um grob ein Grad erhitzt, die Folgen werden immer spürbarer", sagte Katja Frieler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung – und verwies auf den ungewöhnlich trockenen und heißen Sommer. Schon heute sind Ernteeinbrüche und Dürren auch hierzulande die Folge. Andernorts nehmen Stürme und Überschwemmungen zu.

Wie stark der Mensch seine Lebensgrundlage bedroht, illustriert sie am Beispiel von New York. Die Überschwemmungen in Houston im Sommer 2017 gingen als "500-year flood" in die US-Geschichte ein. "Bevor der Mensch massenhaft Treibhausgase in die Atmosphäre schickte, gab es solch eine heftige Flut nur einmal in 500 Jahren", erklärt die Klimaforscherin. Seitdem sei der Meeresspiegel so drastisch angestiegen, dass dasselbe Ereignis sich nun im Schnitt alle 25 Jahre wiederhole. Hurrikan Sandy traf New York 2012 mit bis zu sieben Meter hohen Wellen. Wenn die Welt so weitermache, werde die Metropole Mitte dieses Jahrhunderts alle fünf Jahre von so einem Extremwetterereignis heimgesucht.

Trotz Sandy und im Angesicht des Paris-Abkommens: Die meisten Staaten machen weiter wie bisher. Schlimmer noch: Der globale Treibhausgasausstoß steigt trotz aller IPCC-Berichte, Klimakonferenzen oder sonstiger Umweltschutzbemühungen. Lag der Zuwachs in den Neunzigerjahren noch bei durchschnittlich 0,8 Prozent pro Jahr, so ist er seit dem Jahr 2000 jährlich um gut zwei Prozent gestiegen. 2017 wurde ein neuer Rekord vermeldet: 41 Milliarden Tonnen Emissionen, neben Kohlendioxid auch Methan und andere Treibhausgase (Nature: Peters et al. 2017).

"Es klafft eine große Lücke zwischen Wissen und Handeln"

"Wir sind eher auf einem Drei-bis-Vier-Grad-Pfad", sagte die Klimaforscherin Frieler – und ist mit dieser Einschätzung nicht allein. Ähnliches sagte Mojib Latif, Meteorologe vom Deutschen Klima-Konsortium, kürzlich im Gespräch mit ZEIT ONLINE.

Es ist ein gefährlicher Weg. Denn sind die Kippschalter – die Klimaveränderungen also, die den Weg in eine nächste Heißzeit unumkehrbar machen – erst einmal umgelegt, gibt es keinen Weg zurück mehr (lesen Sie hier einen ausführlichen Artikel, was die Kippelemente sind). Dann wird sich die Erhitzung verselbständigen, sich selbst verstärken und den Planeten ziemlich ungemütlich machen. Jedenfalls für uns Menschen.

Noch wäre Zeit, die Katastrophe aufzuhalten. Wenn auch sehr wenig. Katja Frieler sieht es so: Es klaffe "eine große Lücke zwischen Wissen und Handeln". Aber vielleicht hilft ja dagegen der SR1.5: "Der neue Bericht wird mit harten Fakten untermauern, welche unumkehrbare Folgen bereits eine um anderthalb Grad wärmere Welt haben wird."

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