Um das Klimaziel des Pariser Abkommens umzusetzen, müsste die internationale Gemeinschaft laut einem Bericht des UN-Umweltprogramms (Unep) ihre Bemühungen mindestens verdreifachen. Nach drei Jahren Stagnation hätten die Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid einen neuen Rekordstand von 53,5 Gigatonnen erreicht, heißt es in dem nun veröffentlichten neunten Emissions Gap Report, den das Unep wenige Tage vor der UN-Klimakonferenz in Kattowitz vorstellte. Damit rückten die Klimaziele in noch weitere Ferne.

Die Erde steuere auf eine Erwärmung um rund drei Grad bis zum Ende dieses Jahrhunderts zu, heißt es im Unep-Bericht. Danach werde die Durchschnittstemperatur nach jetzigem Stand voraussichtlich weiter steigen. Momentan seien die G20-Länder nicht auf dem Weg, ihre national festgelegten Ziele für 2030 zu erfüllen. Nur Brasilien, China und Japan liegen im Soll. Auch die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre hat einen Höchststand erreicht, meldete die Weltorganisation für Meteorologie der Vereinten Nationen zuletzt.

Der Unep-Bericht wurde von einem internationalen Forscherteam zusammengestellt, das dafür nach eigenen Angaben alle verfügbaren wissenschaftlichen Studien zum Klimawandel auswertete. Er ermittelt alljährlich die Lücke zwischen den zu erwartenden Emissionen bis zum Jahr 2030 und den Werten, die notwendig sind, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Bei der UN-Klimakonferenz Ende 2015 in Paris hatte die internationale Gemeinschaft sich darauf verständigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst aber auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Trotzdem hätten die Treibhausgasemissionen weiter zugenommen und ein Wendepunkt sei nicht absehbar, bemängelte das Unep. Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, müssten die Länder ihre Klimaschutzziele verdreifachen und für das 1,5-Grad-Ziel sogar verfünffachen. Der Weltklimarat IPCC hatte in einem Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel Anfang Oktober dargelegt, nötig seien "schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen", um das angestrebte Ziel noch zu erreichen.

Die Autoren des Berichts riefen dazu auf, technische Innovationen und eine geschickte Steuerpolitik für einen klimapolitischen Umbruch zu nutzen. Die Regierungen müssten Alternativen mit geringen Emissionen subventionieren und fossile Energieträger verteuern. Auch eine angemessene CO2-Bepreisung sei entscheidend.

"Lücke zwischen Worten und Taten"

Gunnar Luderer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der an dem Unep-Bericht mitgearbeitet hatte, kritisierte die internationale Klimapolitik: "Es klafft weiter eine fatale Lücke zwischen Worten und Taten", sagte er. "Deutschland und Europa könnten hier Führungsstärke zeigen, indem sie die vollständige Treibhausgasneutralität bis 2050 und eine deutliche Stärkung der Emissionsminderungsziele für 2030 festschreiben."

Die Chefin von Greenpeace International warnte, durch das Zaudern der Regierungen drohe eine "katastrophale globale Erwärmung, die den Planeten unwiderruflich verändern und Millionen zum Leiden verdammen wird".