Laut Expertinnen und Experten der Weltnaturschutzunion IUCN sind zunehmend Meeres- und Flussbewohner vom Aussterben bedroht, darunter Zackenbarsche und 450 Fischarten im ostafrikanischen Malawi-See. Auch der Amazonasflussdelfin, ein Säugetier, zähle zu den stärker bedrohten Arten.

Ein großes Problem für Flüsse und Meere sei die anhaltende Überfischung. "Der Artenrückgang beeinflusst den Preis von Fisch weltweit erheblich und reduziert die Lebensmittelsicherheit für Millionen Menschen", sagte die IUCN-Expertin Yvonne Sadovy zur Präsentation der aktualisierten Roten Liste für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Die Umweltorganisation WWF spricht von einem "dauerhaften ökologischen Ausnahmezustand".

Eine bedenkliche Entwicklung sehen die IUCN-Experten auch für Teile der Vogelwelt in Südostasien und bei einigen Holzarten. Die vermehrte Nachfrage in China nach Bau- und Möbelholz führe zu Raubbau in Afrika. Inzwischen stünden auch alle Arten des Adlerholzbaumes auf der Roten Liste. Bestandteile des Baumes würden in der Parfüm- und Duftindustrie gebraucht, was das Holz zu einem der teuersten der Welt mache.

Gute Nachrichten gibt es dafür für einige besonders geschützte Tierarten. Zum Beispiel gehe es dem Berggorilla (Gorilla beringei beringei) wieder besser. Durch Maßnahmen gegen Wilderer habe sich ihr Bestand deutlich vergrößert: von etwa 680 vor zehn Jahren auf inzwischen mehr als 1.000. Die Berggorillas leben in geschützten Gebieten in Ruanda, Uganda und in der Demokratischen Republik Kongo. Sie werden nun als "stark gefährdet" und nicht mehr als "vom Aussterben bedroht" eingestuft. Angesichts der Erfolge sprach sich der IUCN dafür aus, die Schutzmaßnahmen fortzuführen. Unter anderem müsse die Zahl der Touristen reduziert und ein enger Kontakt von Menschen zu den Gorillas vermieden werden.

27.000 Tier- und Pflanzenarten bedroht

Auch Finnwale (Balaenoptera physalus) gelten nicht mehr als "stark gefährdet", sondern sind nun als "gefährdet" aufgeführt. Ihre Zahl habe sich seit den Siebzigern auf rund 100.000 Exemplare fast verdoppelt. Ebenso hat sich die Situation der Grauwale verbessert, die bisher als "vom Aussterben bedroht" galten. "Die Bestände dieser Wale erholen sich dank der Verbote von kommerziellem Walfang, internationalen Vereinbarungen und weiteren Sicherungsmaßnahmen", sagte Randall Reeves von IUCN.

Der WWF warnte davor, Erfolge beim Artenschutz dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass die weltweite biologische Vielfalt durch den Menschen "in einem ständigen Krisenmodus gefangen" sei, wie Christoph Heinrich sagte, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. Derzeit gelten 27.000 Tier- und Pflanzenarten als bedroht, das sind 10.000 mehr als vor rund zehn Jahren. Die positiven Beispiele zeigten aber, dass Naturschutz erfolgreich sein könne, wenn entschlossen gehandelt werde.

Für die internationale Rote Liste schätzen Expertinnen und Experten seit 1963 die Gefährdung einzelner Tier- und Pflanzenarten ein. Sie ermitteln dabei regelmäßig die Wahrscheinlichkeit für ein Aussterben der jeweiligen Art. Die untersuchten Spezies werden in Kategorien von "nicht gefährdet" bis "ausgestorben" eingeordnet.

Mehr über bedrohte Tiere und Pflanzen, aber auch über den erfolgreichen Artenschutz lesen Sie hier in unserem Schwerpunkt "Die Letzten ihrer Art."