Etwa 45 Millionen männliche Küken, sogenannte Bruderküken, werden jedes Jahr in deutschen Legebetrieben getötet. Denn sie stammen von Hühnern für Betriebe, die auf die Produktion von Eiern ausgelegt sind. Weil sie als Nachkommen von Legehennen nicht so viel Fleisch ansetzen wie eigens zur Fleischproduktion gezüchtete Masthähnchen, werden sie meist nach dem Schlüpfen erstickt und dann geschreddert. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Leipzig haben in den vergangenen Jahren eine Methode entwickelt, die das Töten der Bruderküken überflüssig machen soll. Die ersten Eier dieser Art können jetzt in 223 Berliner Supermärkten gekauft werden, bis Ende 2019 soll es sie in allen 5.500 Supermärkten geben. 

Das an der Universität Leipzig entwickelte Verfahren sei eine Weltneuheit und ein Durchbruch auf dem Weg, das massenhafte Töten männlicher Küken zu beenden, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Das Geschlecht wird dabei vor dem Ausbrüten im Ei erkannt. Mit einem Laser wird ein winziges Loch in die Schale gebrannt. So kann dem Ei Flüssigkeit entnommen werden, die auf Geschlechtshormone getestet wird. Männliche Küken schlüpfen damit gar nicht erst, ihre Eier werden zu Tierfutter verarbeitet. Noch ist die Methode aber nicht serienreif, kann also nicht in allen Brütereien eingesetzt werden.

Die Eier werden so etwas teurer

Wann das so weit sein könnte, wollte Klöckner nicht sagen. Es stehe auch noch nicht fest, ob die Betriebe zur Nutzung der neuen Methode verpflichtet würden. Zunächst will die Ministerin auf eine "freiwillige Verpflichtung" setzen. "Wenn Brütereien sagen, das ist uns egal, kommen wir in eine andere rechtliche Bewertung der Sache", sagte sie.

Für die Brütereien sollen keine zusätzlichen Kosten entstehen, kündigten die Anbieter des Verfahrens an. Stattdessen verlangen sie vom Handel eine Lizenzgebühr. Dadurch werden Eier von Legehennen, die mit der neuen Methode gezüchtet wurden, etwas teurer. Der Sechserpack koste zehn Cent mehr als ein Sechserpack Freilandeier, sagte Jan Kunath, der stellvertretende Vorstandschef der Rewe-Gruppe, die neben dem Discounter Penny die Eier im Angebot hat.

Bauernverband begrüßt das Verfahren

Die Geflügelwirtschaft zeigte sich skeptisch gegenüber des neuen Verfahrens. "Es gilt unser uneingeschränktes Bekenntnis zum schnellstmöglichen Ausstieg aus dem Töten männlicher Eintagsküken, sobald eine wirkliche Alternative vorliegt", erklärte der Verband. Dafür müsse das System aber praxistauglich und schneller sein, als bisher geplant. Der Bauernverband dagegen begrüßte den Vorstoß: "Diese Verfahren sollten baldmöglichst praxisreif gemacht werden und flächendeckend in allen Brütereien zum Einsatz kommen", sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken.

Tierschützerinnen und Tierschützer dagegen halten das Aussortieren männlicher Küken nicht für sinnvoll. "Das ist keine Lösung im Sinne einer verantwortungsvollen Tierzucht, denn Hennen müssen auch weiterhin Höchstleistung erbringen", erklärte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die Geflügelwirtschaft müsse so umgestellt werden, dass Hühner sowohl zur Eier- als auch zur Fleischproduktion geeignet seien. Dann könnten männliche Küken aufgezogen und ihr Fleisch vermarktet werden.

Schon jetzt kann man im Handel auch Eier aus Brütereien kaufen, in denen sowohl weibliche als auch männliche Küken aufgezogen werden. Die sogenannten Bruderhahn-Eier sind aber teurer und damit laut Handel nicht massentauglich.