Dutzende Höfe in Deutschland sind offenbar mit belastetem Geflügelfutter beliefert worden. Vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wurden deswegen vorsorglich zahlreiche Betriebe gesperrt. Allein in Nordrhein-Westfalen seien 41 Betriebe betroffen, sagte eine Sprecherin des dortigen Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv). Auch das niedersächsische Landwirtschaftsministerium meldete mehr als 27 betroffene Betriebe. Je ein Hof wurde in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen gesperrt.

Bereits im Oktober hatten Veterinäre bei Routinekontrollen in einem Mastbetrieb im Kreis Paderborn auffällige Werte bei einer Geflügelfleischprobe gemessen: Im Fettgewebe des Tieres hatten sie zu hohe Werte eines giftigen PCB-Gemischs festgestellt. Jetzt steht fest, dass bundesweit mehrere Hundert Tonnen des mit PCB-kontaminierten Geflügelfutters in Umlauf gekommen sind.

Giftige Substanzen nur schwer abbaubar

Nach Informationen des nordrhein-westfälischen Landesamtes handelt es sich bei PCB (Polychlorierte Biphenyle) um giftige Substanzen. Eine akute Gesundheitsgefahr geht nach Angaben der Behörden von den belasteten Produkten nicht aus. Eine Veterinärin aus dem Kreis Paderborn sagte, die festgestellten PCB-Werte bewegten sich im Nanogrammbereich: "Das entspricht in etwa einem Stück Würfelzucker im Bodensee", hieß es in einer Mitteilung.

"Wer belastete Produkte isst, der wird davon nicht krank", sagte die Sprecherin des Lanuv. Das Stoffgemisch sei aber im Körper und in der Natur sehr schwer abbaubar. "Deswegen wollen wir auf keinen Fall, dass die Stoffe in den Nahrungskreislauf gelangen", hieß es weiter. Belastetes Geflügel und Eier seien aus dem Verkehr gezogen worden, noch ehe sie in den Handel gelangten. Dabei könnte es um große Mengen gehen: Allein in einem Betrieb im niedersächsischen Nienburg wurden beispielsweise bei 4.000 Puten überschrittene Höchstwerte festgestellt.

Mehrere Hundert Tonnen des Geflügelfutters in Umlauf

Das verunreinigte Futter stammt vom Futtermittelhersteller Agravis. Laut Informationen des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums war in zwei Verladezellen in einer Niederlassung im ostwestfälischen Minden Lack abgesplittert. Dabei soll das Geflügelfutter verunreinigt worden sein.

Insgesamt seien mehrere Hundert Tonnen des Geflügelfutters in Umlauf gekommen. Das bestätigte das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur. Von Seiten des Unternehmens hieß es, man bedauere den Vorfall. Bereits gelieferte Ware sei gegen unbedenkliches Futter ausgetauscht, belastetes Futter zerstört worden. Die betroffenen Verladezellen würden derzeit nicht genutzt und von einem Gutachter untersucht. "Eine schnellstmögliche Sanierung wird vorbereitet", hieß es weiter. Betroffen sei allerdings nur ein geringer Teil der Gesamtproduktion am Standort.

Die niedersächsische Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) informierte im Landtag in Hannover über den Fall. Demnach sei Niedersachsen am 2. November aus Nordrhein-Westfalen darüber informiert worden, dass bei der Untersuchung einer Masthähnchenprobe eine Überschreitung des Höchstgehalts festgestellt worden war. Erst sieben Tage später hätten die Behörden aus dem Nachbarland weitere, von Futtermittellieferungen betroffene Betriebe nachgemeldet. "Dadurch hat sich die Zahl der insgesamt betroffenen Betriebe in Niedersachsen deutlich erhöht", sagte Otte-Kinast.