Seit mehr als einer Woche brennt es in mehreren Waldgebieten Kaliforniens. Mindestens 65 Menschen sind gestorben, mehr als 600 werden noch vermisst. Die Kleinstadt Paradise wurde nahezu komplett zerstört. Warum aber brennt es mittlerweile jährlich im Hinterland der Großstädte an der Westküste der USA? Warum ist es so schwer, sich auf die Gefahr einzustellen? Und warum stehen Feuerwehrleute Jahr für Jahr vor denselben Problemen, die Waldbrände in den Griff zu bekommen? ZEIT ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie ist die Lage?

Die kalifornischen Feuerwehren haben in erster Linie mit zwei Bränden zu kämpfen. Ihren eigenen Informationen nach haben sie bis Donnerstagabend (Ortszeit) 40 Prozent der brennenden Waldfläche im Norden löschen können. Mit bisher 63 bestätigten Toten und mehr als 10.000 zerstörten Gebäuden (CalFire, PDF) ist das sogenannte Camp Fire das verheerendste Feuer im Staat Kalifornien seit Beginn der Aufzeichnungen – obwohl es mit einer betroffenen Fläche von gut 57.000 Hektar bei Weitem nicht das größte ist (CalFire, PDF).

Im Norden, rund um die Kleinstadt Paradise, gelten momentan 631 Personen als vermisst, die Behörden des Bezirks Butte hatten die Zahl nach Auswertung von Notrufen und gemeldeten Vermissten nach oben korrigiert. Manche Namen könnten auch doppelt auf der Liste stehen und andere bisher gar nicht.

Im Süden wurde das ebenfalls große Woolsey-Feuer zu knapp zwei Dritteln bekämpft. Im betroffenen Gebiet liegt auch der Villenort Malibu, in dem zahlreiche Prominente ihre Häuser verloren. Hier starben zwei weitere Menschen. Das andere südliche Feuer, Hill, ist nach Angaben der Behörden nahezu vollständig eingedämmt (Stand Freitagmorgen deutscher Zeit) – mit gut 1.800 Hektar ist es der kleinste der aktuellen Brände.

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Was macht Kalifornien anfällig für Waldbrände?

Die klimatischen Bedingungen in Kalifornien fördern den Ausbruch von Feuern in der Natur: Das ganze Jahr über ist es dort warm, dazu sind die Sommer sehr trocken. Außerdem ist Kalifornien der bevölkerungsreichste US-Staat – und Feuer wird häufig von Menschen verursacht. Für die Region typische warme, trockene Winde, die Santa-Ana-Winde im Süden und Diablo-Winde im Norden, fachen einmal ausgebrochene Feuer dort zusätzlich an (Environmental Research Letters: Jin et al., 2015).

Seit den Achtzigerjahren ist die Zahl der Waldbrände im Westen der USA stark gestiegen – und sie könnte durch den Klimawandel noch weiter steigen (Science: Westerling et al., 2006). Die zunehmende Zahl der Brände kommt auch daher, dass näher an Wälder gebaut wird. Diese wildland-urban interface (WUI) genannten Gebiete liegen im Übergang von unberührter Natur und menschlichen Siedlungen. Sie sind immer wieder von Waldbränden bedroht und verursachen einen Großteil der Feuerbekämpfungskosten der Vereinigten Staaten (International Journal of Wildland Fire: Mell et al., 2010).

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Warum waren die Menschen nicht besser vorbereitet?

Kalifornien ist Waldbrände also gewohnt. Jedes Jahr kommt es zu einer großen Zahl von Feuern. Viele Städte haben deswegen auch Vorbereitungen getroffen, auch die nun nahezu zerstörte Stadt Paradise. In einem Interview mit dem amerikanischen öffentlich-rechtlichen Radiosender npr sagte die Bürgermeisterin Jody Jones: "Wir hatten einen sehr robusten Evakuierungsplan, der auch Hunderte Leben gerettet hat." Während Menschen mit Festnetzanschluss automatisch Aufforderungen zur Evakuierung bekommen, müssen sich Handybesitzerinnen und -besitzer erst registrieren. Das hätten viele nicht getan. Außerdem sei das Ausmaß des Feuers zu viel für die Stadt gewesen: "Normalerweise evakuiert man zwei oder drei Gebiete – nicht eine ganze Stadt", sagte Jones.

Zwar gab es in der Geschichte Kaliforniens schon Feuer, die sich über eine noch größere Fläche ausgebreitet hatten – ab 40.000 Hektar spricht die US-Forstverwaltung von megafires. Zuletzt verbrannten im Sommer beim Mendocino Complex Fire fast 186.000 Hektar. In den gesamten USA ist die von Waldbränden betroffene Fläche in den letzten Jahren stark gestiegen, auch wenn es nicht wesentlich mehr Brände gab (siehe Grafik).

Doch wie verheerend ein Brand ist, hängt auch davon ab, wie schnell er sich ausbreitet. Und das ging diesmal rasend schnell. Teilweise zerstörten die Flammen pro Sekunde mehr als die Fläche eines Fußballfeldes, berichtet der Sender CNN.

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Was kann gegen solche Brände unternommen werden?

US-Präsident Donald Trump beschuldigte auf Twitter zuletzt das schlechte Waldmanagement von Kalifornien und wiederholte den Vorwurf gut einen Tag später. Schon angesichts der Waldbrände im August machte Trump die Umweltgesetze Kaliforniens für die Ausbreitung des Feuers mitverantwortlich. Die US-Regierung möchte, dass mehr Bäume gefällt werden, um so Waldbrände an der Ausbreitung zu hindern. Der Präsident der kalifornischen Berufsfeuerwehr, Brian Rice, antwortete auf Trumps Vorwürfe, dass fast 60 Prozent der kalifornischen Wälder unter staatlicher Aufsicht ständen und ein weiteres Drittel Privatpersonen gehöre. Wenn also die Forstverwaltung entscheidend wäre, sei vielmehr die US-Bundesregierung für fehlende Ressourcen verantwortlich.

Tatsächlich sei das Waldmanagement für die aktuellen Brände in WUI-Gebieten aber nicht entscheidend, erklärte Scott Austin, Präsident der Feuerwehr von Pasadena im südlichen Kalifornien, gegenüber dem Sender CNN. Entscheidender sei die Landschaftsplanung bei der Bebauung in naturnahen Gebieten rund um Metropolen. Ein Beispiel für WUIs in den USA ist der Villenort Malibu im südlichen Kalifornien, wo im und am Wald Siedlungen entstanden sind, umgeben von leicht brennbarem Busch- und Waldgebiet. Auch bei den schweren Bränden in Griechenland im letzten Jahr waren Gegenden betroffen, in denen wohlhabende Athener ihre Ferienhäuser haben – typische Wohngegenden nahe der Natur, in denen Großstädter Ruhe und Abgeschiedenheit suchen. Die Kombination aus leicht entflammbaren Häusern und trockenem Holz in solchen Zonen ermöglicht dem Feuer eine leichte Ausbreitung. Hier könnte die Politik etwa mit Auflagen für brandsichere Häuser für Besserung sorgen. Auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern langfristig angelegte Pläne, um Waldbränden vorzubeugen, etwa durch das gezielte und kontrollierte Legen von Bränden (Science: North et al., 2015). Das Fällen von Bäumen könnte aber im Gegenteil Waldbrände noch verstärken (Science: Donato et al., 2006).

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Wie hängen die Waldbrände mit dem Klimawandel zusammen?

Jerry Brown, der demokratische Gouverneur von Kalifornien, nannte das häufige Auftreten von Waldbränden "die neue Abnormalität", solche Feuer seien Teil der Zukunft. Damit könnte er recht haben: Nicht nur in Deutschland war 2018 bisher ein außergewöhnlich trockenes Jahr. Zwar ist die fünfjährige Dürre in Kalifornien seit letztem Jahr vorbei, aber auch in diesem Jahr erlebt der Südwesten der USA eine ungewöhnlich lang anhaltende Trockenheit, wie Untersuchungen der US-Weltraumbehörde Nasa belegen. Solche extremeren Wetterlagen kommen im Zuge der globalen Erderwärmung häufiger und teils in stärkerer Ausprägung vor. In sehr feuchten Wintern kann Biomasse nachwachsen, die dann in trockenen Sommern zum Brennstoff wird. Das war bei den Waldbränden in Kalifornien im letzten Jahr der Fall.

Außerdem fanden Forscherinnen und Forscher einen Zusammenhang zwischen dem Schmelzen der Polkappen und dem kalifornischen Klima (Nature Communications: Cvijanovic et al., 2017). Inwiefern die Santa-Ana-Winde vom Klimawandel beeinflusst werden, wird noch untersucht, erste Studien deuten darauf hin, dass die Winde künftig noch häufigere Waldbrände zur Folge haben könnten (Geophysical Research Letters: Guzman-Morales et al., 2016; Climatic Change: Hughes et al., 2011). Der Klimawandel führt also nicht direkt zu Feuern – aber er fördert ihre Entstehung.

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