Japan will sich aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) zurückziehen und den kommerziellen Walfang wieder aufnehmen. Das kündigte Regierungssprecher Yoshihide Suga an. Demnach will das Land ab Juli 2019 wieder kommerziell Wale jagen. Der Walfang werde sich aber auf Japans Hoheitsgewässer und exklusive Wirtschaftszonen beschränken, versicherte der Regierungssprecher. "Wir werden nicht in den antarktischen Gewässern oder in der südlichen Hemisphäre jagen." 

Im September hatte Japan bei der IWC beantragt, zum kommerziellen Walfang zurückkehren zu dürfen, und war mit dem Anliegen gescheitert. Die Regierung in Tokio warnte daraufhin, Japan sehe sich zu einer "grundlegenden Neubewertung seiner Position als Mitglied der IWC veranlasst". Japan argumentiert, die Walbestände hätten sich so weit erholt, dass der kommerzielle Walfang wieder zugelassen werden könne. Der Schritt ist insofern nicht überraschend, dürfte der Regierung in Tokio aber starke Kritik einbringen.

Kommerzieller Walfang ist seit 1986 durch ein Moratorium international verboten. Japan nutzt aber eine Lücke in der Vereinbarung, nach der Wale zu Forschungszwecken getötet werden dürfen. Australien hatte 2010 gegen das japanische Programm in der Antarktis Klage eingereicht und argumentiert, die Forschung sei für Japan nur der Deckmantel für kommerziellen Fang. In der Realität landet Walfleich in Restaurants und Supermärkten, Forschungsergebnisse gibt es kaum. Nach Angaben der australischen Regierung haben japanische Walfänger seit 1988 mehr als 10.000 der Meeressäuger getötet.

Japan reagiert empfindlich, wenn sich jemand in innere Angelegenheiten einmischt. Als der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag im März 2014 das Forschungsargument als Vorwand entlarvte und den Walfang verbot, stieg der Konsum von Walfleisch in Japan sogar kurzzeitig an. Die Regierung in Tokio beklagt seit vielen Jahren, dass es einigen Mitgliedsländern der IWC nur um Walschutz gehe. Die ursprüngliche Aufgabe der IWC sei aber die Erhaltung der Bestände und die nachhaltige Nutzung der Walressourcen.

Tatsächlich erlaubt die IWC, Wale zu Forschungszwecken zu jagen. Japan ist aber das einzige Land, das dieses Argument bisher bemüht hat, um seinen Walfang zu begründen. Die beiden anderen großen Walfangnationen Island und Norwegen widersetzen sich dem Fangverbot von 1986 offen und bezeichnen ihre Jagd als das, was sie ist: als kommerziell.