Wofür genau steht das Zwei-Grad-Ziel noch mal? Für die Begrenzung des Temperaturanstiegs pro Jahr? Oder insgesamt? Und falls ja, im Vergleich wozu? Sie könnten das beantworten? Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer repräsentativen Befragung konnten es nicht.

Glauben Sie, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie besser informiert sind als der Bevölkerungsdurchschnitt? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Quiz. Es enthält – leicht gekürzt und aktualisiert – dieselben Fragen, die für die repräsentative Studie eines Teams der Uni Hamburg benutzt worden sind. Deren Teilnehmerinnen und Teilnehmer erreichten im Mittel 2,74 richtige Antworten, alle neun Fragen haben nur vier von 1.000 richtig beantwortet. Versuchen Sie es!

Ja, das Team der Universität Hamburg, in deren Auftrag die Umfrage durchgeführt wurde, war selbst überrascht davon, wie wenige Menschen in Deutschland recht grundsätzliche Fragen zum Klima richtig beantworten konnten. Das war im Herbst des Jahres 2015. Dann aber fand der Klimagipfel von Paris statt und währenddessen war im Radio und Fernsehen, in Zeitungen und im Netz das Thema Klimaschutz beinahe allgegenwärtig. Da konnte man ja erwarten, all die Berichterstattung aus Paris werde sich auf den Wissensstand der Menschen auswirken.

Als die Forscherinnen und Forscher aber die repräsentative Befragung im Lauf des Gipfels und erneut nach dessen Ende wiederholten, fiel das Ergebnis ernüchternd aus: Etwas gelernt hatte die Bevölkerung ausschließlich zu aktuellen Themenbereichen (Nature Climate Change: Brüggemann et al., 2017). So kannten vorher 28 Prozent der Befragten das Ziel des Pariser Treffens (nämlich dass sich die Welt auf einen Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll einigen sollte), hinterher waren es 36 Prozent. Aber "sie lernten kein Hintergrundwissen über Klimapolitik hinzu", wie das Team um Michael Brüggemann, Professor für Klimakommunikation und Mitglied des Hamburger Exzellenzclusters CliCCS, feststellte.

Und mit dem Hintergrundwissen ist hier kein akademisches Fachwissen gemeint. Vielmehr wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer so etwas gefragt wie: Wie hat sich der weltweite Treibhausgasausstoß seit 1990 entwickelt? Wie heißt ein wichtiges Klimaschutzinstrument? Oder eben: Wofür steht das Zwei-Grad-Ziel?

Während im Dezember auf der Klimakonferenz von Katowice über die Umsetzung des Paris-Abkommens verhandelt wurde, ließen Brüggemann und sein Team dieselben Fragen noch einmal 1.000 repräsentativ ausgewählten Menschen in Deutschland stellen. In den Ergebnissen, die ZEIT ONLINE exklusiv vorliegen, lässt sich eine positive Momentaufnahme entdecken: "Über zwei aktuelle Themen – die Bedeutung des Kohleausstiegs für Deutschlands Emissionsziele und die Probleme auf der aktuellen Konferenz in Polen – wussten die Deutschen verhältnismäßig gut Bescheid", sagt die Kommunikationswissenschaftlerin Fenja De Silva-Schmidt aus Brüggemanns Forschungsteam.

Blickt man aber auf die vorhandenen Grundkenntnisse, die 2015 und 2018 anhand von sieben gleichlautenden Punkte überprüft worden sind, so ändert sich das Bild. "Abgesehen von einer Frage zu der bisherigen Entwicklung der weltweiten CO2-Emissionen haben die Deutschen kein zusätzliches Wissen erworben", sagt De Silva-Schmidt. "Ganz im Gegenteil!" Bei fast allen Punkten habe das Niveau des Wissens in der Bevölkerung abgenommen. Sogar Begriffe, die lange Zeit in der öffentlichen Debatte präsent gewesen seien, etwa das Kyoto-Protokoll, gerieten in Vergessenheit. "Dass das Klimawissen abnimmt, dieser Befund ist neu", betont De Silva-Schmidt.

Die Menschen haben kaum dazugelernt

"Ich hatte erwartet, dass die Menschen mehr über Klimapolitik dazulernen", sagt Michael Brüggemann. "Was mich überrascht, ist, dass die jahrelang köchelnde Klimadebatte nicht einmal dafür ausgereicht hat, um das 2015 vorhandene Hintergrundwissen zu behalten."

Joe Raedle/Getty Images
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Die Erderwärmung bedroht die Welt, aber wie genau? Wir erklären Wetter, Klima und warum der Wandel so gefährlich ist.

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Ban Ki Moon, UN-Generalsekretär

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sagt, warum das ein Problem ist:

"Der Klimawandel ist eine Bedrohung für das Leben und unsere Existenz."

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Das Wetter

… ist der Zustand der Atmosphäre zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort.

Was ist Wetter, was Klima?

Das Klima

... ist das durchschnittliche Wetter über einen längeren Zeitraum hinweg betrachtet, etwa 30 Jahre.

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Leider nein: Viele Schäden sind nicht mehr zu ändern. Die Erde erwärmt sich in jedem Fall. Auch die 2°C Erwärmung beeinträchtigen Ökosysteme auf der ganzen Welt stark und bedrohen damit auch die Lebensgrundlage von Millionen Menschen. Es lässt sich allein das Ausmaß der Katastrophe eingrenzen.

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Stimmt. Viele Forscher sind sicher, dass es einen Zusammenhang gibt. Europa soll aber nicht so stark betroffen sein wie andere Kontinente der Erde.

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Er nimmt die Ergebnisse als Indikator dafür, welchen Einfluss die Medien haben. "Dem Journalismus gelingt es, aktuelle Informationen zu großen Ereignissen zu vermitteln. Das zeigt: Berichterstattung kann etwas bewirken", sagt Brüggemann, ergänzt aber: "Was der Journalismus bisher nicht schafft, ist das Vermitteln wichtiger Hintergrundinformationen, die man benötigt, um Klimapolitik und Klimaschutz zu verstehen."

Wenn die Deutschen aber generell wenig Basiskenntnisse über den Klimawandel haben und diese Grundlage mit der Zeit auch noch bröckelt, dann wirft das Fragen darüber auf, wie gut mündige Bürgerinnen und Bürger das Problem einschätzen können. 

Lesen Sie außerdem auf diesen Seiten, wofür das Zwei-Grad-Ziel genau steht und welche Klimafolgen schon heute sichtbar sind.