Sie haben es satt – Tausende Menschen demonstrieren an diesem Samstag in Berlin für eine andere, eine bessere Landwirtschaft. Aber wie soll die eigentlich aussehen? Sebastian Heilmann probiert es aus. In einem kleinbäuerlichen Betrieb in Baden-Württemberg baut er mit seinem Team Gemüse für 250 Menschen an. Seine größte Fürsorge gilt dabei dem Boden.

ZEIT ONLINE: Herr Heilmann, Sie behaupten, die industrielle Landwirtschaft ernähre die Menschheit nicht. Das müssen Sie erklären.

Sebastian Heilmann: Unser Erdölverbrauch ist bombastisch. Wir erzeugen einen großen Teil der klimaschädlichen Treibhausgase. Wir zerstören die Artenvielfalt. Und wir verlieren massiv Boden. Dabei dient ein Großteil der Flächen gar nicht der direkten Ernährung von Menschen. Ein Drittel des Maises, der bei uns angebaut wird, wird in Energie umgewandelt. Wir betreiben unsere Toaster und Fernseher damit.

Sebastian Heilmann hat eine Freie Ausbildung zum biologisch-dynamischen Landwirt gemacht und leitet seit fünf Jahren die Solidarische Landwirtschaft am Schloss Tempelhof in Baden-Württemberg. © privat

ZEIT ONLINE: Und wie kann eine Landwirtschaft funktionieren, die die Menschheit nachhaltig versorgt, ohne den Planeten zu zerstören?

Heilmann: Das wichtigste ist, dass wir uns wieder um den Boden kümmern. Früher lag der Anteil des nährstoffreichen Humus darin noch bei fünf bis zehn Prozent, heute liegt er meist nur noch bei ein bis zwei Prozent. Zusätzlich kämpfen wir mit der Erosion des Bodens – auch in Deutschland. Ökologische Landwirtschaft ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, aber in Bezug auf den Boden ist sie weit davon entfernt, nachhaltig zu sein. Wenn noch unsere Urenkel davon leben sollen, müssen wir dahin kommen, dass wir gleichzeitig Lebensmittel anbauen und die Ressource Boden aufbauen. Das klingt natürlich erst einmal nach einem Riesenideal. Ist es auch. Aber ich sehe keine andere Möglichkeit, wenn wir uns langfristig von unserem Boden ernähren möchten.

ZEIT ONLINE: Wie soll das gehen, den Boden aufbauen? 

Heilmann: Nehmen wir mal den Pflug. Er ist das Symbol der Landwirtschaft. Aber eigentlich ist er ein Feind des Bodens. Wir müssen uns den Boden als Haus vorstellen. Der Pflug dreht es um und zerkleinert es. Und wer baut es wieder auf? Wir müssen den Boden gar nicht aufreißen. Ob in der konventionellen oder der biologischen Landwirtschaft, es gibt heutzutage genügend Wissen und Technologien, um ohne massive Eingriffe in den Boden Kulturen zu etablieren. Ein Beispiel wäre, die Samen von Getreide direkt in die Überreste der vorherigen Ernte zu säen.