Die Vielfalt der Insekten weltweit schwindet – so weit, so bekannt. Doch im aktuellen Streit zwischen Landwirten und Naturschützern in Bayern geht es im Kern auch um die Frage: Wie gesichert sind die Daten zum Insektensterben in Deutschland und global? Und sind Pestizide, Monokulturen, zu wenig naturbelassene Wiesen – also letztlich die intensive Landwirtschaft – wirklich hauptsächlich schuld daran?

Eine aktuelle Übersichtsstudie, die im Journal Biological Conservation (Sánchez-Bayo/Wyckhuys, 2019) erscheinen wird und online vorab verfügbar ist, untermauert nun genau das: Den Forschern zufolge zeigen 40 Prozent der Insektenarten weltweit einen Rückgang, ein Drittel der Arten sei vom Aussterben bedroht. Als größten Treiber des Insektensterbens identifizierten sie den Verlust von Lebensraum durch intensive Landwirtschaft sowie die zunehmende Urbanisierung. Chemische Schadstoffe wie Pestizide und synthetische Düngemittel, invasive Arten und der Klimawandel kämen als Ursachen hinzu.

Wenn die Insektenmasse weiterhin jährlich um 2,5 Prozent abnehme, könnte die artenreichste Klasse der Tiere in einem Jahrhundert verschwunden sein, warnt das Team um Francisco Sánchez-Bayo von der Universität Sydney, der die Arbeit mit Kris Wyckhuys von der Chinesischen Akademie für Agrarwissenschaft (CAAS) mit Sitz in Peking erstellt hat.

Für ihre Übersichtsarbeit werteten die Wissenschaftler 73 Studien zum Insektensterben aus und fassten die Ergebnisse zusammen. Demnach sind an Land Schmetterlinge, Käfer und Hautflügler am stärksten bedroht und vom Artenrückgang betroffen. Zu den Letzteren gehören auch die Bienen. Auch wasserlebende Insekten wurden berücksichtigt: Die vier Gruppen der Libellen, Steinfliegen, Köcherfliegen und Eintagsfliegen zeigten bereits erhebliche Artenverluste.

Unverzichtbar als Bestäuber und Nahrung für andere Tiere

Mehr als 60 Prozent aller bekannten Tierarten sind Insekten. Sie bilden das breite Nahrungsfundament für viele Amphibien, Reptilien, Fische und Vögel. Und auch für den Menschen haben sie eine existenzielle Funktion: Sie bestäuben Obst, Gemüse und Futterpflanzen.

"Wenn das Insektensterben nicht aufgehalten werden kann, wird das katastrophale Konsequenzen für das Ökosystem Erde und das Überleben der Menschheit haben", sagt Francisco Sánchez-Bayo, Hauptautor der aktuellen Studie.

Die Welt müsse die Art und Weise ändern, mit der Lebensmittel hergestellt werden, sagt Sánchez-Bayo. Besonders der Einsatz von Pestiziden müsse reduziert werden. Einige Mittel stehen unter Verdacht, insbesondere das Nervensystem von Bienen anzugreifen. Bereits seit 2013 dürfen Neonikotinoide in Europa deshalb nicht mehr an Pflanzen eingesetzt werden, auf denen sich Bienen normalerweise niederlassen. Einige der Insektizide wurden ganz verboten.

Für einen Wandel in der Landwirtschaft setzt sich derzeit auch das Volksbegehren Artenvielfalt in Bayern ein. Unter dem Motto "Rettet die Bienen!" möchten die ÖDP, die Grünen und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern eine Änderung des dortigen Naturschutzgesetzes erwirken. Sie fordern unter anderem eine Ausweitung der ökologischen Landwirtschaft auf 20 Prozent bis 2025 und 30 Prozent bis 2030. Aktuell werden zehn Prozent der Flächen in Bayern ökologisch bewirtschaftet.

Diverse Studien haben untersucht, was die Vielfalt der Insekten bedroht, insbesondere der Bienen. Das Wichtigste bietet das Stück "Woran Deutschlands Bienen sterben" im Überblick.