Die Unterart Chelonoidis phantasticus der Galápagos-Riesenschildkröte hielten Forscher für ausgestorben, nun ist ein lebendes Exemplar entdeckt worden. Wie der ecuadorianische Umweltminister Marcelo Mata über Twitter mitteilte, sei das erwachsene Weibchen auf der Insel Fernandina gesichtet worden. Dort präsentierte Mata auch drei Bilder, die die Schildkröte alleine und mit jenen Menschen zeigen, die sie im Rahmen einer von der US-Umweltorganisation Galápagos Conservancy organisierten Expedition entdeckt haben sollen.

Chelonoidis phantasticus galt seit mehr als einem Jahrhundert als ausgestorben. Die Art ist nur auf der unbewohnten Insel Fernandina dokumentiert. Die isoliert im Pazifik gelegenen Galápagos-Inseln, Unesco-Weltnaturerbe seit 1979, beherbergen weltweit die größte Zahl an endemischen Arten – also Arten, die nur dort vorkommen. Den Riesenschildkröten kommt dabei eine besondere Rolle zu, sie waren sogar namensgebend für die Inseln etwa 1.000 Kilometer vor der Küste von Ecuador. Angelehnt an den an einen Sattel erinnernden Panzer einiger Exemplare nannte man das Archipel "Galapagos", was auf Spanisch "Wulstsattel" bedeutet. Von den 15 dort einst heimischen Riesenschildkrötenarten galten zuletzt, vor der jüngsten Entdeckung, fünf als ausgestorben, darunter auch Chelonoidis nigra abigdonii von der Insel Pinta.

Letzter Vertreter war hier die Schildkröte Lonesome George, die 2012 in einer Forschungsstation auf der Insel Santa Cruz starb. Dagegen erholt sich die Unterart Chelonoidis nigra hoodensis seit einigen Jahren wieder. Grund hierfür ist die hochgradig paarungswillige Schildkröte Diego, die 1976 aus einem Zoo in San Diego auf die Galápagos-Inseln übersiedelte. 2010 fanden Forscher heraus, dass Diego zu diesem Zeitpunkt Vater von annähernd 40 Prozent der aus einem Zuchtprogramm in die Wildnis entlassenen Schildkröten war.

Vor schätzungsweise zwei bis drei Millionen Jahren schafften es die ersten Riesenschildkröten vom südamerikanischen Festland auf die Galápagos-Inseln und wurden dort heimisch. Damit Chelonoidis phantasticus heimisch bleibt und nicht doch noch ausstirbt, müsste das gesichtete Exemplar sich nun erst einmal fortpflanzen. Dazu wäre mindestens ein weiterer Überlebender auf der Insel nötig: ein Männchen derselben Unterart.