Die Nutzen und Risiken von Gentechnik, die Folgen auftauender Permafrostböden und die Zerschneidung der Lebensräume von Tier und Mensch durch gigantische Bauprojekte wie Staudämme, Eisenbahntrassen oder Überlandstraßen: Die Vereinten Nationen warnen in ihrem Unep-Bericht vor diesen und weiteren Gefahren für Umwelt und Ökologie. "All diese Umwelterscheinungen haben tiefgreifende Folgen für unsere Gesellschaft, Wirtschaft und Ökosysteme", schreiben die UN-Umweltexperten in ihrem Report, der kurz vor Beginn der UN-Umweltkonferenz im kenianischen Nairobi veröffentlicht wurde.

Laut dem Bericht gibt es derzeit fünf aufkommende Umweltgefahren: der Nachbau von lebenden Organismen durch Gentechnik, die Zerschneidung von Lebensräumen, das Verschwinden des Permafrostes, der immense Ausstoß von Stickstoff und die misslungenen Anpassungen an den Klimawandel.

Keine Nahrung, keine Artgenossen

Nichts weniger als die "Überwindung der Evolution" droht den UN zufolge angesichts des immensen Fortschritts der Gentechnik. Der Eingriff in lebende Organismen – wie durch die Crispr-Methode – könne zum Nutzen der Menschheit sein, heißt es in dem Unep-Report. Allerdings brauche man dafür eine umfassende gesellschaftliche Debatte und Regeln, um die "Macht zur Veränderung, Einschränkung oder Auswechselung ganzer Spezies" zu kontrollieren.

"Die weitreichende Industrialisierung ist der Grund für eine umfassende Zerstückelung von Lebensräumen überall auf der Welt", sieht das Unep eine weitere besorgniserregende Entwicklung. Einst intakte Biotope würden immer weiter zersplittert, viele Tiere sind auch deshalb bedroht – sie finden schlicht keine Nahrung oder Artgenossen zwecks Paarung mehr. "Diese nur begrenzte Fähigkeit zu wandern, sich zu verteilen, sich zu paaren und zu ernähren, zu wachsen und gedeihen bringt viele Arten an den Rand ihres Aussterbens."

Das Tauen der Permafrostböden in der Arktis beschreiben die Umweltforscher als eines der folgenschwersten Ereignisse. Direkt betroffen sei ein Viertel der gesamten nördlichen Hemisphäre, indirekt der gesamte Planet, da in dem bislang ewigen Eis Unmengen an Treibhausgasen gespeichert sind. Würden diese durch das Abschmelzen freigesetzt, könnte dies eine unkontrollierbare Kettenreaktion auslösen: Die Erdatmosphäre würde noch weiter erwärmt, die damit einhergehenden Klimaveränderungen würden sich unaufhörlich – "ad infinitum", schreiben die UN-Experten – verschlimmern.

Schwindender Permafrost, steigender Stickstoff-Ausstoß

Dass Stickstoff bereits integraler Bestandteil der Atmosphäre ist – 78 Prozent der Luft besteht aus N2 –, stellt auch der UN-Report klar – und sieht dennoch ein wachsendes Problem mit diesem Gas. So stoßen Industrie und Landwirtschaft, Verkehr und der Energiesektor immer mehr Stickoxide aus, sorgen für zunehmende Luftverschmutzung und eine schwindende Ozonschicht. "Diese Verpestung ist eine der schlimmsten für die Menschheit", schreiben die Forscherinnen und Forscher.

Sorgen bereiten ihnen auch die vielen kurzfristigen und deshalb meist misslungenen Projekte, die als Reaktion auf den Klimawandel realisiert wurden. Diese ökologischen und oft auch soziologischen "Verschlimmbesserungen" hätten meist nur einen lokalen Nutzen, würden Ressourcen und künftige Handlungsmöglichkeiten einschränken oder das Problem einfach an die nächste Generation weiterreichen.

Beispielsweise stellten Bauern in Somalia wegen der Dürre mehr Holzkohle her und verknappten so die Wälder, was zur Trockenheit beitrage. Einige Landwirte in Simbabwe reagierten auf die Unsicherheiten durch das Klima, indem sie mehr Pestizide einsetzten. Dadurch würden auch wichtige Insekten getötet und die Bedingungen weiter verschlechtert, heißt es in dem UN-Bericht. Verhindern könne man diese misslungenen Anpassungen nur durch eine bessere Planung, durch umfassendere Kosten-Nutzen-Analysen und die Einbindung aller relevanten gesellschaftlichen Gruppierungen.