Weltweit sind im vergangenen Jahr zwölf Millionen Hektar an Tropenwald verloren gegangen. Das geht aus dem jährlichen Bericht des Global Forest Watch (GFW) hervor. Demnach wurde insgesamt eine Fläche von der Größe Bayerns und Niedersachsens zerstört. Das ist der drittgrößte Verlust von Tropenwäldern, seit im Jahr 2001 mit der Erhebung von Satellitendaten begonnen wurde, diesen zu dokumentieren.

Die Geschwindigkeit der Zerstörung ist laut der Studie unverändert hoch. Minütlich verschwinde Wald von der Größe von 30 Fußballfeldern. Bei fast einem Drittel der betroffenen Flächen handelte es sich den Angaben zufolge um besonders schützenswerten Urwald der ältesten Generation.

Auch seien erstmals Eingriffe in den bislang unberührten natürlichen Regenwald dokumentiert, der aus jahrhundertealten, teils sogar jahrtausendealten Bäumen bestehe, sagte Forschungsgruppenleiterin Mikaela Weisse der Nachrichtenagentur AFP.

Eingriffe in von indigenen Völkern bewohnte Gebiete

In Brasilien war der Verlust laut der Studie am größten. Der Anteil am Gesamtverlust an Regenwald betrug in dem südamerikanischen Land mit etwa 13.500 Quadratkilometern ungefähr ein Drittel. Dies sei teilweise auf Waldbrände zurückzuführen, der Großteil habe aber damit zu tun, dass Flächen abgeholzt wurden, um Weideflächen zu schaffen, heißt es in dem Bericht.

Zugleich sei es noch zu früh, um die Auswirkungen der Politik des neuen Präsidenten Jair Bolsonaro einschätzen zu können. Die hohen Rückgänge hätten bereits vor dessen Amtsantritt stattgefunden. Bolsonaro hatte wiederholt deutlich gemacht, dass Umweltschutz nicht zu seinen Prioritäten zählt. Bolsonaro will keine neuen Schutzgebiete im Amazonasgebiet ausweisen und weitere Rodungen im Regenwald zulassen.

Für Brasilien zeigten die Daten außerdem einen deutlichen Trend hin zu von Menschen gelegten Feuern – auch in Gebieten, in denen indigene Völker leben. "Mit Erschrecken sehen wir auch Eingriffe in Ureinwohnergebiete, die über Jahre immun gegen Entwaldung waren", sagte Wissenschaftlerin Weisse.

Nach Brasilien war der Verlust an ursprünglichem Regenwald in der Demokratischen Republik Kongo mit 4.800 Quadratkilometern am größten. Darauf folgen Indonesien mit 3.400 Quadratkilometern, Kolumbien mit 1.800 Quadratkilometern und Bolivien mit 1.500 Quadratkilometern. Der afrikanische Inselstaat Madagaskar büßte im vergangenen Jahr zwei Prozent seines Regenwaldes ein.

Die Autoren heben Indonesien allerdings als Positivbeispiel hervor. Demnach seien die Verluste von Primärwald in dem südostasiatischen Land auf den niedrigsten Stand seit 2003 gefallen. Das deute darauf hin, dass Schutzmaßnahmen der Regierung Wirkung zeigten.

"Die Wälder der Welt sind jetzt in der Notaufnahme"

Insgesamt verantwortlich für die Zerstörung des Regenwalds sind laut dem Bericht vor allem die Viehzucht und Landwirtschaft: In Asien und Afrika geht es dabei vor allem um den Anbau von Palmöl, in Südamerika um Getreide zur Produktion von Biotreibstoffen. Brandrodungen und Abholzungen zum Flächengewinn setzen dabei nicht nur klimaschädliches Kohlendioxid frei, sondern verringern auch die Kapazitäten der sogenannten grünen Lungen zur Aufnahme von CO2.

Weltweit absorbieren die Regenwälder etwa 30 Prozent des von Menschen verursachten Ausstoßes von Treibhausgasen – das entspricht mehr als elf Milliarden Tonnen pro Jahr. Auch die Ozeane sind gigantische CO2-Filter, sie nehmen etwa 23 Prozent des Gases auf.

Frances Seymour, Wissenschaftlerin am World Ressources Institute in Washington, warnte davor, dass das"Wohlergehen des Planeten" auf dem Spiel stehe.  "Die Wälder der Welt sind jetzt in der Notaufnahme." Mit jedem verlorenen Hektar "kommen wir dem schrecklichen Szenario eines unkontrollierbaren Klimawandels näher", sagte Seymour.

Das bislang schlimmste Jahr für die Wälder weltweit war 2016. Damals trugen das Wetterphänomen El Niño und großflächige unkontrollierte Brände in Brasilien und Indonesien maßgeblich zur Zerstörung großer Waldflächen bei.

Die Daten aus dem Bericht stammen nach GWF-Angaben von der Universität Maryland und wurden durch die Auswertung von Satellitenbildern zusammengetragen. In dem Bericht geht es nicht nur um Abholzung von Wäldern, sondern auch um Zerstörung durch Brände. Wälder beherbergen nicht nur zahlreiche Arten, sondern haben vor allem als Kohlenstoffspeicher einen großen Einfluss auf das Klima.