Waldbrände sind hierzulande gewöhnlich. Es gibt sie jedes Jahr, mal größer, mal kleiner. Nach längerer Trockenheit geraten Sträucher leicht in Brand – oft wegen unachtsam weggeworfener Kippen, heißer Grillkohle oder weil Unrat herumliegt, der in der Hitze ein Feuer entzünden kann. In diesem Frühling hat die Waldbrandsaison besonders früh und heftig begonnen. Es gilt die höchste Gefahrenwarnstufe. Ob das ungewöhnlich ist, erklärt Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter für Brandenburg.

ZEIT ONLINE: Wer dieser Tage die Nachrichten verfolgt, bekommt das Gefühl: Deutschland brennt. Unzählige Berichte über Waldbrände schüren den Eindruck, es seien ungewöhnlich viele und starke Feuer ausgebrochen. Ist das so?

Engel: Derzeit herrscht vor allem im Osten und Südosten Deutschlands eine erhöhte Waldbrandgefahr. Für Brandenburg, wo ich für die Waldbrandlagen zuständig bin, wurde die höchste Gefahrenstufe ausgerufen. Dass dies bereits im April, also so früh im Jahr, flächendeckend für ein Bundesland geschieht, ist außergewöhnlich. Der besonders trockene Winter, dann vier Wochen lang sehr wenig Regen und zuletzt noch starke Winde – all das hat zu dieser hohen Gefahr geführt.

ZEIT ONLINE: Welche Rolle spielt es für das aktuelle Waldbrandrisiko, dass das Jahr 2018 nicht nur einen extrem heißen und sonnigen Sommer hatte, sondern insgesamt sehr trocken war?

Engel: Auf die aktuelle Lage in Brandenburg hat sich das sicher ausgewirkt. In diesem Jahr verzeichnen wir schon mehr als 70 Brände allein bis Mitte April. Das ist viel und kommt eher selten vor, trotzdem: Deutschland steht noch nicht in Flammen. Um von einem extremen Waldbrandjahr zu sprechen, ist es noch viel zu früh.

Der Forstdirektor Raimund Engel ist Waldbrandschutzbeauftragter des Landes Brandenburg. 2003 bis 2006 leitete er das dortige Lagezentrum Brand- und Katastrophenschutz. © privat

ZEIT ONLINE: Meteorologinnen und Meteorologen warnen schon jetzt, dass es auch 2019 zu einem Dürresommer kommen könnte. Ist anzunehmen, dass im Zuge des Klimawandels Waldbrände in einigen Teilen des Landes häufiger werden?

Engel: Der Klimawandel hat definitiv einen Einfluss. Er macht sich durch häufigere Trockenperioden und längere Hitzeperioden bemerkbar – Bedingungen, unter denen Waldbrände leichter entstehen und sich ausbreiten können. Bei uns in Brandenburg betrifft das vor allem die Risikogebiete in der Mitte und im Süden des Bundeslandes, die weiter entfernt von der Küste sind und in denen viele Kiefernwälder stehen. Aber es kann, wie am vergangenen Dienstag, sogar in den Mittelgebirgslagen Thüringens brennen, in denen der Niederschlag normalerweise so stark ist, dass das nicht passiert. Generell müssen wir uns langfristig darauf einstellen, dass die Gefahrenlage wächst.

Um von einem extremen Waldbrandjahr zu sprechen, ist es noch viel zu früh.
Reimund Engel, Fachmann für Waldbrandbekämpfung

ZEIT ONLINE: Verheerende Waldbrände, bei denen viele Menschen zu Schaden kommen, kennen wir vor allem aus Regionen wie Kalifornien oder Russland. Ein Hauptproblem dort: die zunehmende Bebauung am Rand von Großstädten und in Ballungsräumen, die bis an den Wald und in Wälder hineinreicht – ohne dass baumfreie Schneisen oder Schutzzonen für den Feuerfall eingeplant werden. Hat Deutschland, konkret Brandenburg, ein ähnliches Problem?

Engel: Bei uns ist die Situation etwas anders. Viele Datschen-Grundstücke – also die typischen Gartenlauben in der ehemaligen DDR – lagen mitten im Wald. Später bekamen die Besitzer die Erlaubnis, sie zu dauerhaft bewohnten Häusern auszubauen. Wer dort wohnt, ist einem hohen Waldbrandrisiko ausgesetzt. Eigentlich sollten Städteplaner darauf achten, dass nicht in Wäldern gebaut wird. Im konkreten Fall kann nicht die Lösung sein, den Wald zurückzubauen, also abzuholzen, wie das manche Bürgermeister schon vorgeschlagen haben.