Der World Wide Fund For Nature (WWF) will zu den Guten gehören. Doch Anfang März dieses Jahres veröffentlichte das Onlinemagazin Buzzfeed News eine Reihe von Artikeln, die ein anderes Bild der Naturschutzorganisation zeichneten. Im Raum stehen seitdem schwerwiegende Anschuldigungen: Der WWF soll Ranger ausgebildet, ausgestattet oder bezahlt haben, die teils schwere Verbrechen begangen haben sollen. Die Vorwürfe reichen von Wildhütern, die Häuser zerstört und ihre Einwohner vertrieben haben sollen, über Folter, Justizbehinderung bis hin zu Misshandlungen und sogar Mord.

Die deutsche Sektion des WWF beauftragte noch im März den ehemaligen Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning, damit, die "menschenrechtlichen Sorgfaltsprozesse" beim WWF Deutschland zu untersuchen. Es ging in dem Bericht nicht darum, die konkreten Vorwürfe zu prüfen – damit beauftragte die Dachorganisation WWF International eine britische Anwaltskanzlei. Stattdessen sollte Lönig untersuchen, wie gut das System des deutschen WWF auf potenzielle Menschenrechtskonflikte reagiert. Die Ergebnisse bescheinigen der Umweltschutzorganisation Nachholbedarf.

Der knapp 50-seitige Bericht erscheint am Mittwoch, er liegt ZEIT ONLINE exklusiv vorab vor.

Löning und sein Team betrachteten darin vor allem die Prozesse innerhalb der Umweltschutzorganisation: Wie diese gestaltet sind, sei mitentscheidend dafür, ob Menschenrechte eingehalten werden. Vor dem Beginn eines Projektes müsse beispielsweise das Risiko analysiert werden, dass Verletzungen begangen werden und wie mit Beschwerden in den Projektgebieten umgegangen werde.

Untersucht wurden generelle Strukturen

Eine der häufigsten und wichtigsten Aufgaben des WWF ist das Management von Schutzgebieten. Weil etwa Nationalparks immer der jeweiligen Regierung gehören, müssen Umweltschutzorganisationen mit den nationalen Behörden zusammenarbeiten. Viele der Projekte befinden sich in Ländern mit instabiler politischer Situation: So liegt etwa das zweitgrößte zusammenhängende Regenwaldgebiet der Erde im Kongobecken und erstreckt sich über Länder wie die Demokratische Republik Kongo, Kamerun und die Republik Kongo, allesamt Staaten mit schwacher Rechtsdurchsetzung. "Die Wahrscheinlichkeit und die Schwere von Menschenrechtsverletzungen sind in diesen Gebieten erheblich höher als in anderen Regionen", heißt es in dem Bericht. Um dieses Risiko müsse man in der Planung von Projekten wissen.

Eine weitere zentrale Herausforderung sei die zunehmende Militarisierung des Naturschutzes. Nötig ist das vor allem in Afrika, wo hochprofessionell agierende Banden Jagd auf Elefanten oder Nashörner machen, um deren Körperteile mit großem Gewinn zu verkaufen. Die Folge – nämlich, dass Wildhüter mit besseren Waffen ausgestattet werden, sie speziell für den Kampf gegen Wilderei geschult werden und die Notwendigkeit dieses bewaffneten Kampfes kommuniziert wird – berge das Risiko, "dass 'militarisierte' Ansätze von Naturschutz als unumgänglich betrachtet werden und dadurch Konflikte in den betroffenen Regionen geschürt werden", heißt es in dem Report.