Auch die weit entfernte Hoffnung auf neue alternative Treibstoffe wird das Problem nicht lösen. Selbst die Industrie geht von wenigstens 25 Jahren bis zur technischen Reife von Neuerungen wie Solarflugzeugen oder Power-to-Liquid für den Personenverkehr aus (Finance & Trade Watch: Heuwieser 2017, PDF). Auch Agrartreibstoffe stellen wegen ihres enormen Flächenverbrauchs keine wirkliche Alternative dar. Eine Studie über die vorherrschenden Meinungen zu technologischen Fluginnovationen zeigt, dass sich diese regelmäßig als Illusionen entpuppen und die Erwartungen stets weiter in die Zukunft hinausgeschoben werden (Transportation Research: Peeters et al., 2016, PDF). Der Mythos vom grünen Fliegen dient aktuell vor allem dazu, das Wachstum des Flugverkehrs zu legitimieren. Stattdessen braucht es eine ernsthafte politische Diskussion über den Zusammenhang von Klima(un)gerechtigkeit und Fliegen. Und es braucht politische Veränderungen, die eine sozial gerechte, sofortige Verringerung des Flugverkehrs voranbringen. Und zwar vor allem bei denjenigen, die am meisten fliegen.

Es geht nicht nur um arktisches Eis, sondern um Menschen

Es geht nicht nur und nicht einmal vor allem um das arktische Eis, das durch den Tokio-Trip oder andere Fernreisen für immer verschwindet. Es geht um Menschen und um Menschenleben. Und zwar nicht diejenigen der Vielflieger, sondern der anderen. Durch den steigenden Meeresspiegel führen Wetterextreme zu Überschwemmungen, wie im März dieses Jahres der Zyklon Idai in Mosambik, der Hunderte Menschen tötete und die Lebensgrundlagen von Zehntausenden zerstörte. Diejenigen, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, tragen die höchsten Kosten.

Der ZEIT-Autor Niels Boeing argumentierte vor Kurzem in seinem Text für das Fliegen, als eine der erstaunlichsten Kulturtechniken, die es gegen die engstirnige Kritik von rückwärtsgewandten Feinden des Fortschritts zu verteidigen gelte. Man solle sich stattdessen darüber freuen, "was für eine vielfältige Menschheit auf diesem Planeten zu entdecken ist". Diese privilegierte Perspektive vernachlässigt jedoch, dass Fliegen vor allem ein globales Gerechtigkeitsproblem ist. Wie im Brennglas zeigen sich hier die asymmetrische Verteilung von Verursachung und Wirkungen einer imperialen Lebensweise.

Klimaungerechtigkeit, wie sie seit Langem von Aktivistinnen und Communitys aus dem globalen Süden und jetzt von der Bewegung Fridays for Future thematisiert wird, weist uns auf ein grundsätzliches Problem hin: Das Privileg von wenigen geht auf Kosten vieler. Die streikenden Schülerinnen und Schüler verzichten deshalb auf Klassenfahrten mit dem Flieger und fordern zu Recht, dass wir alle anerkennen, wie ernst die Situation ist – und unsere liebgewonnenen Gewohnheiten überdenken, die ihre Zukunft zerstören.