Brasiliens Regierung hat die Mittel für den Kampf gegen den Klimawandel nahezu komplett gestrichen. Das berichten örtliche Zeitungen und verweisen auf den Haushalt des zuständigen Umweltministeriums. Dort waren demnach ohnehin nur noch rund 2,7 Millionen Euro für Maßnahmen gegen den Klimawandel vorgesehen, die nun um 95 Prozent gekürzt wurden.

Wie die Medien weiter berichten, reduziert das Umweltministerium sein Gesamtbudget um rund ein Viertel. Für Programme zur Müllvermeidung werden den Angaben zufolge rund 80 Prozent weniger zur Verfügung stehen, für Maßnahmen gegen Waldbrände 40 Prozent weniger.

Umweltschützer und Kritiker der Regierung in Brasília hatten mit diesen Kürzungen gerechnet, nachdem Präsident Jair Bolsonaro im Januar mit dem Versprechen angetreten war, Umweltschutzauflagen zu lockern. Zudem hatte er nicht ausgeschlossen, so wie die USA aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 auszusteigen. Für die Umweltbewegung wäre dies eine verheerende Entscheidung, gilt Brasilien mit seinen Naturschätzen – es verfügt über den größten tropischen Wald sowie die weltweit wichtigsten Süßwasserreserven – als entscheidend für den Erfolg einer globalen Klimapolitik.

Deutlich mehr Rodungen im Amazonasgebiet

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verweist in dem Zusammenhang auch auf die Situation der indigenen Bevölkerung in dem südamerikanischen Land, die durch die Mittelkürzungen ebenfalls betroffen ist. So stellt die Regierung auch immer weniger Geld für die Überwachung des Regenwaldes im Amazonasgebiet und für die Arbeit der Behörde zum Schutz von Indigenen (FUNAI) zur Verfügung. Dadurch nehmen illegale Landnahme, Abholzung in indigenen Gebieten sowie Konflikte daraus zu.

"Wir befürchten, dass es zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen indigenen Gemeinschaften und den Personen, die unbefugt in ihr Land eindringen, kommen wird", so die Leiterin der Abteilung Politik und Activism bei Amnesty International in Deutschland, Julia Duchrow. "Die indigene Bevölkerung in den Amazonasgebieten kämpft an vorderster Front für den Schutz der wertvollsten Wälder der Welt."

Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Imazon gingen in den ersten drei Monaten dieses Jahres 110 Quadratkilometer Wald in indigenen Gebieten des Amazonas verloren – 82 Prozent mehr als im Vergleich zu 2018.