In Deutschland werden immer weniger Plastiktüten verbraucht. Pro Kopf verwendeten die Menschen im vergangenen Jahr noch 24 Tüten – das waren fünf weniger als im Jahr zuvor, wie die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung ermittelt hat. Damit ging die Gesamtzahl der verbrauchten Plastiktüten um etwa ein Fünftel auf zwei Milliarden zurück. Die Zahlen liegen der Deutschen Presse-Agentur vor. 

Vor drei Jahren lag demnach der Verbrauch noch bei 45 Tüten pro Kopf. Hintergrund ist, dass ein großer Teil der Händler die Kunststoff-Tragetaschen nicht mehr umsonst an Kunden ausgibt, sondern freiwillig Geld dafür verlangt.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zeigte sich erfreut über den Trend, sagte aber, das könne "nur ein Anfang" sein. "Mein Ziel ist, dass wir den Plastikverbrauch insgesamt auf ein sinnvolles Maß reduzieren." Daher werde sie eine weitere Vereinbarung mit dem Handel treffen, die vor allem bei Obst und Gemüse zu weniger Verpackungen führen solle.

Plastik im Meer - Erst vergiften wir den Ozean, dann uns selbst Millionen Tonnen Kunststoff landen jedes Jahr im Meer und schaden Tieren und der Natur. Als Mikropartikel atmen wir ihn auch ein. Ein Erklärvideo © Foto: youtube.com/cheeseandjamsandwich

Der Handel habe Wort gehalten und sich für eine Reduktion von Plastik eingesetzt, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth. Die Forderung nach einem Verbot der Tüten weist er weiterhin zurück: Da die Tragetaschen aus Kunststoff über den Gelben Sack entsorgt würden, landeten Tüten aus Deutschland auch nicht in den Weltmeeren. So ein Verbot hatte zuletzt Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) gefordert. Die EU hat zuletzt ein Verbot von Einwegplastik ab dem Jahr 2021 beschlossen. EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber (CSU) forderte ein weltweites Verbot von Einwegplastik.

Plastikmüll zerstört den Lebensraum vieler Arten und ist aufgrund seiner giftigen Inhaltsstoffe für die Gesundheit von Mensch und Tier gefährlich. Jährlich gelangen ungefähr acht Millionen Tonnen Plastik in die Ozeane. Das entspricht etwa einer Müllwagenladung pro Minute. Derzeit befinden sich laut Schätzungen 150 Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren. Forscher schätzen, dass sich die Menge bis 2030 verdoppeln könnte.

Bisher konnten Länder wie Deutschland ihren Müll recht einfach in andere Staaten exportieren. Die Vereinten Nationen haben sich auf einen transparenteren Umgang mit dem An- und Verkauf von schwer zu recycelndem Plastikmüll geeinigt. Reiche Länder, die kontaminierten, gemischten oder nicht recyclebaren Plastikmüll in Drittstaaten exportieren, müssen demnach künftig das Einverständnis der dortigen Regierungen einholen. Bislang funktionierte der Export auf privatwirtschaftlicher Basis ohne staatliche Kontrollen.