Dem Planeten ging es schon mal besser. Wo man derzeit auch hinschaut, alles ist dabei, zu kollabieren. Weltweit verseuchen Plastik und Müll Flüsse, Seen und das Meer. Die Erde erwärmt sich seit Jahren zu schnell. Deutschland trocknete zuletzt wieder bis zur Brandgefahr aus. Und allein das, was der Mensch im Schnitt noch immer an Fleisch pro Jahr isst, verschärft die Klimakrise stetig weiter – von unseren Billigflugreisen gar nicht zu reden. Diese Woche der nächste Schock: 1.000.000 Tier- und Pflanzenarten könnten für immer verschwinden. Stetig warnen Wissenschaftlerinnen und Forscher: Wir müssen handeln, jetzt!

Umweltkrise, Klimakrise, Artenkrise – wo anfangen und wie? Das Gefühl, dass eine Krise auf die nächste folgt, hat sich festgesetzt. Das überfordert, dabei hat das Umdenken längst begonnen: Viele Menschen meiden unnötige Plastikverpackungen, ernähren sich vegan oder bestellen in der Kantine zumindest manchmal die vegetarischen Spaghetti bolognese. Wir haben den Jutebeutel in der einen Hand und den Coffee-to-go-Mehrwegbecher in der anderen. Seit Monaten streiken Zehntausende junge Menschen jeden Freitag für den Klimaschutz. Und es wird über eine Steuer auf CO2 diskutiert.

Wenn wir weitermachen wie bisher, wird das nicht reichen. Statt alle Krisen getrennt zu betrachten, sollten wir uns klarmachen: Am Ende sind sie alle Teil eines einzigen großen Problems. Der gesamte Planet ist in Gefahr, die meisten Krisen bedingen einander. Die gute Nachricht: Wer anfängt zu handeln, hilft bei der Lösung.

Wir sind ein Teil von allem

Aber beginnen wir von vorn: Diese Woche erschien der neueste und bisher umfassendste Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES der Vereinten Nationen zum Zustand der Natur. Die Ergebnisse: Jede vierte aller erfassten Tier- und Pflanzenarten ist vom Aussterben bedroht. Das derzeitige Artensterben schreitet zehn- bis hundertfach schneller voran als in den zurückliegenden zehn Millionen Jahren. Wir befinden uns im größten Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier. Und verantwortlich dafür ist der Mensch.

Man kann es tragisch finden, wenn süße Eisbären oder Schuppentiere aussterben, wenn der letzte Panda seine Heimat verliert oder das letzte Spitzmaulnashorn geschossen wird. Entscheidender ist aber, dass das Verschwinden einer einzelnen Art eine Kettenreaktion auslösen kann, die das gesamte Ökosystem durchzieht. Tiere und Pflanzen sind, in ihrer gesamten biologischen Vielfalt, Bestandteil eines Netzwerkes – sie liefern Nahrung und Lebensgrundlagen für weitere Arten. Fehlt ein Teil, hat das Folgen. Und die betreffen irgendwann auch uns.

Die Bienen sind dafür das beste Beispiel. Sie gehören zu den Bestäubern, die dafür sorgen, dass Obstbäume und weitere Kulturpflanzen jedes Jahr blühen und Früchte tragen. Sterben sie, dann wirkt sich das unmittelbar auf unser Nahrungsspektrum aus: Ohne Bienen keine Äpfel. Ohne Äpfel auch kein Apfelkuchen mehr. In Deutschland hängen 2,5 Prozent der Erträge von Bestäubern ab, weltweit sind es mit 25 Prozent weit mehr (IPBES: The Assessment Report on Pollinators, Pollination and Food Production, 2016, PDF).

Die Anzahl der Insekten, die die größte Klasse im Tierreich bilden, hat sich in den vergangenen 30 Jahren rapide reduziert, Experten sprechen von einem Rückgang von bis zu 80 Prozent. Beobachten und zählen lässt sich die Insekten-Biomasse unseres Planeten nur in Ausschnitten: Allein in Deutschland gibt es Schätzungen zufolge um die 33.000 Arten, weltweit gehören ungefähr sechs der acht Millionen Arten zu den Insekten. Klingt viel, aber sie werden rasend schnell weniger.