Nach dem Trockenjahr 2018 fehlt in Deutschland zu Beginn dieses Sommers vor allem im Norden und Osten Bodenwasser. Im Süden gibt es hingegen nur wenig Probleme. Das geht aus dem Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig hervor.

Im Norden und Osten sei der Boden bis 25 Zentimeter Tiefe zu trocken, sagte UFZ-Klimaforscher Andreas Marx. Das sei vor allem für die Felder schwierig. "Es fehlt Regen." In tieferen Bodenschichten bis 1,80 Meter zeigt der Monitor sogar großflächig eine außergewöhnliche Dürre an. Das führe zu erhöhter Waldbrandgefahr und lasse die Bäume weniger widerstandfähig gegen Schädlinge werden. Wegen des niedrigen Wasserstands in kleineren Seen breiteten sich dort Algen aus. Aus dem Wassermangel im Boden können sich zudem erhebliche Probleme für die Landwirtschaft, die Wälder und die Frachtschifffahrt, etwa auf der Elbe, ergeben.

Bodenfeuchte lasse sich besser berechnen als messen. Wenn man Messgeräte in den Boden eingrabe, verändere man zugleich den Boden und verzerre damit die Ergebnisse, erläuterte Marx. Die Daten der UFZ-Forscher werden unter anderem von Land- und Forstwirtschaft verwendet.

"2018 war ein Extremereignis, und Extremereignisse sind selten"

Man dürfe die Lage aber nicht überdramatisieren, sagte Marx. Mit 2018 sei das aktuelle Jahr nicht zu vergleichen. "2018 war ein Extremereignis. Und Extremereignisse sind sehr selten, vor allem in aufeinanderfolgenden Jahren." Auch wenn aktuell wieder Hitze und Trockenheit herrschten, dürfe man nicht davon ausgehen, dass sich die Dürre vom vorigen Jahr einfach wiederhole.

Auch die Jahre 1974 bis 1976 seien sehr trocken gewesen. Gravierende wirtschaftliche Schäden habe es aber nur in einem der Jahre gegeben. Danach habe sich die Lage wieder entspannt.

"Hitzewellen sind ein natürliches Wetterphänomen. Aber der Klimawandel sorgt dafür, dass die Hitzewellen viel intensiver und heißer werden – einfach dadurch, dass die Temperatur generell angestiegen ist", sagte Christian Franzke, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsbereich Dynamik und Variabilität des Klimasystems der Universität Hamburg, dem Science Media Center Germany.

Dürre, Waldbrände, aber auch Starkregen, Überschwemmungen und weitere Wetterextreme hatten in Deutschland 2018 zu Ernteeinbußen geführt. Zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe fürchteten um ihre Existenz. Der Bund hatte daher beschlossen, bis zu 170 Millionen Euro Nothilfe zur Verfügung zu stellen.

Der Dürremonitor ist ein Berechnungsmodell für die Bodenfeuchte. Die UFZ-Forscher können dort für jeden einzelnen Tag seit 1951 die Feuchtigkeit im Boden darstellen. Eine Dürre liegt vor, wenn die 20 Prozent der trockensten Werte erreicht werden.