Globale Temperaturen hätten schon immer geschwankt, die Klimaveränderungen in den vergangenen Jahrzehnten seien nichts Besonderes. So lautet ein gerne genutztes Argument von Menschen, die die Folgen und das Ausmaß des Klimawandels kleinreden wollen. Und es ist Unsinn. Nun belegen Wissenschaftler erneut, warum diese Sicht der Dinge nicht haltbar ist. In den vergangenen 2.000 Jahren habe es demnach keine Wärme- oder Kälteepoche gegeben, die so umfassend den gesamten Globus beeinflusst hat wie der Anstieg der Temperaturen gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Das stellten Forscher in gleich zwei Analysen fest, die gerade veröffentlicht worden sind.

Tatsächlich verändert sich die Erde, seit sie existiert – und mit ihr eben auch die klimatischen Verhältnisse. Der aktuelle Klimawandel sei jedoch in weiten Regionen der Erde gleichzeitig zu spüren und dabei sehr extrem (Nature: Neukom et al., 2019). Das habe es in zwei Jahrtausenden nicht gegeben. Das zeige der Vergleich mit den zwei bekanntesten Klimaepochen der Vergangenheit: die Kleine Eiszeit, die etwa vom 13. bis zum 19. Jahrhundert andauerte, und davor die Mittelalterliche Warmzeit, die vor der ersten Jahrtausendwende begann und kurz nach 1200 endete. Das Ausmaß dieser beiden Epochen sei deutlich geringer und sehr viel regionaler gewesen als die globale Erwärmung in den vergangenen Jahrzehnten, heißt es in einer der Studien, die der Schweizer Umweltwissenschaftler Raphael Neukom leitete.

Was Baumringe, Fossilien und Eisbohrkerne über das Klima erzählen 

Neukoms Team sah sich die Temperaturen der Epochen zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten an. Dabei nutzten sie ein riesiges Archiv mit mehr als 700 Auswertungen von Eisbohrkernen, historischen Aufzeichnungen, Baumringen, Fossilien, Sedimentschichten im Boden und vielen weiteren Faktoren. Anhand dieser sogenannten Proxydaten lassen sich Durchschnittstemperaturen auch lange vor Beginn der Wetteraufzeichnungen bestimmen. So ergibt sich ein Bild des vergangenen Klimas bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.

Das Ergebnis zeigt, wie anders die früheren Klimaveränderungen waren als die aktuelle, die der Mensch ankurbelt: Zwar war die Kleine Eiszeit durchschnittlich die kälteste Epoche der vergangenen 2.000 Jahre, in manchen Erdregionen war das allerdings zwischenzeitlich kaum spürbar. Und sogar in ihren extremsten Jahren erreichte die Mittelalterliche Warmzeit noch nicht einmal auf der Hälfte der Erdoberfläche zeitgleich ihre Höchsttemperaturen. Zwar war es in den rund drei Jahrhunderten dieser Epoche durchschnittlich sehr warm auf der Erde – zwischen einzelnen Heißzeiten in Europa und Südostasien konnten jedoch mehrere Jahrzehnte liegen.

Klimawandel - Es ist schlimmer als bisher befürchtet Unser Planet heizt sich auf. Gletscher, Schnee und Dauerfrostböden tauen. Unser Video zeigt, wo Sie dem Klimawandel zuschauen können. © Foto: Zeit Online

Im Gegensatz dazu verhält sich die aktuelle Erwärmung deutlich globaler: Die wärmste Periode der vergangenen zwei Jahrtausende ereignete sich im 20. Jahrhundert und betraf mehr als 98 Prozent der Erdoberfläche. "Dies liefert einen eindeutigen Beweis dafür, dass die anthropogene globale Erwärmung nicht nur in Bezug auf die absoluten Temperaturen beispiellos ist, sondern auch in Bezug auf die räumliche Beständigkeit verglichen mit den vergangenen 2.000 Jahren", schreiben die Autoren in ihrer Studie.