Österreich hat den Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat verboten. Der Nationalrat stimmte mehrheitlich für einen entsprechenden Antrag der SPÖ. Österreich ist damit das erste Land in der EU, das die Nutzung untersagt. "Die wissenschaftlichen Beweise für eine krebserregende Wirkung des Pflanzengifts mehren sich. Daher stellen wir den Antrag auf ein Totalverbot des Glyphosats", hatte SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner zuvor gesagt.

Der nationale Alleingang ist rechtlich umstritten, denn das Verbot könnte EU-Recht verletzen: Die EU-Pflanzenschutzverordnung erlaubt noch bis Ende 2022 den Einsatz von Glyphosat. Die einzelnen Mitgliedsländer können nur in absoluten Ausnahmefällen ein Verbot von zugelassenen Wirkstoffen verhängen.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sprach von einem "historischen Meilenstein". Nun liege der Ball bei der EU-Kommission, die gegen den Beschluss binnen drei Monaten Einspruch erheben könne. Die EU-Kommission habe die Möglichkeit nationaler Verbote zugesichert. Sie dürfe ihr Versprechen jetzt nicht brechen.

Der Wirkstoff Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Er wurde von der heutigen Bayer-Tochter Monsanto als Herbizid auf den Markt gebracht. In Nordamerika wurde das Mittel seit den Siebzigerjahren unter dem Markennamen Roundup vertrieben. Der Bayer-Konzern sieht sich in den USA mit einer Klagewelle wegen möglicher Gesundheitsschäden durch Glyphosat konfrontiert. Seit Auslaufen des Patentschutzes wird Glyphosat auch in den Mitteln zahlreicher anderer Anbieter eingesetzt.

In Deutschland hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in der vergangenen Woche angekündigt, dass die Bundesregierung bis spätestens September über einen Glyphosat-Verzicht entscheiden werde. Es sei bereits im Koalitionsvertrag festgelegt, dass man eine Strategie zum schnellen Ausstieg wolle.