Die Menschheit hat ihr Budget an natürlichen Ressourcen für dieses Jahr rechnerisch verbraucht, sie lebt fortan ökologisch "auf Kredit". Nach Angaben der Denkfabrik Global Footprint Network ist an diesem Montag der sogenannte Erdüberlastungstag. Das bedeutet, dass die Menschheit zu diesem Zeitpunkt so viele Ressourcen von der Erde beansprucht hat, wie alle Ökosysteme im gesamten Jahr erneuern können.

Um die von der Menschheit verbrauchten ökologischen Ressourcen wie Wasser, Land, Holz und saubere Luft zu liefern, wären derzeit 1,75 Erden notwendig, warnte das Global Footprint Network. Die international tätige Nachhaltigkeitsorganisation mit Sitz im kalifornischen Oakland erklärte, die Kosten dieses Verbrauchs würden immer stärker sichtbar, etwa durch das Abholzen von Wäldern, durch Bodenerosion, den Verlust von Artenvielfalt oder den Anstieg von CO2 in der Erdatmosphäre.

Der Erdüberlastungstag fällt in diesem Jahr auf den 29. Juli und damit drei Tage früher als im vergangenen Jahr und sogar zwei Monate früher als vor 20 Jahren.

Vom Erdüberlastungstag an werden Ressourcen verbraucht, die nicht mehr im Lauf des Jahres nachwachsen. Vor allem der Lebensstil in reichen Industrienationen belastet das Konto, ärmere Länder gleichen es noch ein wenig aus. "Wir konsumieren und wirtschaften als gäbe es kein Morgen", mahnte die Umweltstiftung WWF.

Klimawandel - Es ist schlimmer als bisher befürchtet Unser Planet heizt sich auf. Gletscher, Schnee und Dauerfrostböden tauen. Unser Video zeigt, wo Sie dem Klimawandel zuschauen können. © Foto: Zeit Online

Für ein Leben wie die Deutschen bräuchte man drei Erden

In die Berechnungen fließen zum Beispiel der Verbrauch von Holz, Ackerland und Fischbeständen ein, außerdem der CO2-Ausstoß und der Flächenverbrauch – nicht aber endliche Ressourcen wie Erdöl. In Deutschland tragen den Angaben zufolge vor allem die hohen CO2-Emissionen in den Bereichen Strom, Verkehr und industrielle Landwirtschaft sowie der große Flächenbedarf zur Überlastung der Erde bei. Die CO2-Emissionen seien seit 2009 nicht gesunken; das Festhalten an der Kohle verzögere eine Senkung der Emissionen.

Als besonders problematisch sehen die Autoren der Studie den Verkehrssektor: Seit 1990 seien die Emissionen im Straßenverkehr nicht gesunken und im Flugverkehr deutlich gestiegen. Auch der Energieverbrauch pro Kopf sei hierzulande höher als im EU-Durchschnitt und habe sich in den letzten Jahren nur geringfügig reduziert. "Bei den Wachstumsraten der erneuerbaren Energien besteht in Deutschland noch Verbesserungspotenzial." Auch die versiegelte Fläche in Deutschland wachse, kritisieren die Umweltorganisationen. Von 1992 bis 2017 habe sie um mehr als 22,8 Prozent zugenommen.

Der Erdüberlastungstag ist dabei ein globaler Durchschnittswert – von Land zu Land gibt es beim Ressourcenverbrauch gewaltige Unterschiede. Die Umweltschutzorganisation WWF erklärte, im Emirat Katar sei der Überlastungstag bereits nach 42 Tagen erreicht, in Indonesien dagegen erst nach 342 Tagen.

Würden alle Menschen leben wie die Deutschen, wären drei Erden notwendig. Hätten alle Menschen den gleichen Ressourcenverbrauch wie US-Bürger, wären ganze fünf Erden nötig.