Die US-Regierung hat Regeln zum Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten gelockert. Die Änderungen an einem Gesetz aus dem Jahr 1973 – mehr als 1.600 Arten in den Vereinigten Staaten und in deren Territorien stehen unter dessen Schutz – erlaubt es den Bundesbehörden erstmals, die wirtschaftlichen Kosten für den Schutz einer speziellen Art zu berücksichtigen. Der Pauschalschutz für zuletzt als bedroht eingestufte Tiere wird aufgehoben.

Die Änderungen am sogenannten Endangered Species Act gehen zurück auf das Wahlversprechen von Donald Trump, die Bundesgesetze zu deregulieren. Demnach wachen nun die einzelnen US-Bundesstaaten über die Schutzmaßnahmen, werden vorherige Umweltgutachten bei Ressourcenentscheidungen unnötig und wird die Unterscheidung zwischen "gefährdeten" und vom Aussterben "bedrohten" Tier- und Pflanzenarten aufgehoben. Generell sollen künftig wirtschaftliche Belange in die Bewertung des Schutzstatus von Wildtieren einbezogen werden dürfen.

"Ein Geschenk an die Industrie"

Auch deshalb sprach Innenminister David Bernhardt bei der Präsentation der Änderungen in Washington vor allem über "Transparenz und Wirkung". Regulierende Beschränkungen würden so verringert, versicherte er. Die Änderungen stellten eine "Verbesserung" dar, sie würden für eine effizientere Umsetzung des Gesetzes sorgen, sagte der frühere Öl- und Gaslobbyist. Die US-Fischerei- und Wildschutzbehörde sekundierte, durch die neuen Regelungen würde "der maximale Grad der Regulierungssicherheit" erreicht. Zudem würden die Arten geschützt.

Dies sehen Natur- und Tierschützer anders, sie reagierten entsetzt. Sie befürchten die graduelle Zerstörung des Lebensraums gefährderter und bedrohter Arten. Teile der heimischen Flora und Fauna könnten weiter an den Rand des Aussterbens gedrängt werden. Die Umweltschutzorganisation Earthjustice kündigte eine Klage an und bezeichnete die Änderungen als "Geschenk an die Industrie". Die Energielobby will schon länger erreichen, dass Öl- und Gasbohrungen sowie großflächige Rodungen – etwa für Fracking-Anlagen – auch in bestimmten Schutzgebieten leichter möglich sind.

Heftige Kritik kam auch von den oppositionellen Demokraten. Jahrzehntelang habe das Gesetz "unser am stärksten bedrohtes Tierleben vor dem Aussterben bewahrt", twitterte der Präsidentschaftsbewerber und frühere Vizepräsident Joe Biden. Nun wolle Trump "dies alles über Bord werfen". Tatsächlich hatte die Regierung bereits eine ganze Serie von Vorschriften zum Umweltschutz zurückgeschraubt. Umweltschützer haben ihrerseits dagegen wiederholt mit Klagen angekämpft.

Kalifornien und Massachusetts wollen klagen

Der vom einstigen Präsidenten Richard Nixon unterzeichnete Endangered Species Act wird von Naturschutzexperten dabei als besondere Erfolgsgeschichte bewertet. Arten wie der Grizzly, der Amerikanische Alligator, der Kalifornische Kondor, der Grauwolf oder das Wappentier der USA, der Weißkopfseeadler, konnten so gerettet werden. Von letzteren gab es im Jahr 1963 nur noch 417 nistende Paare. Heute sind es etwa 10.000. Der Grauwolf darf in Teilen der Rocky Mountains gar wieder gejagt werden, weil es inzwischen wieder so viele davon gibt.

In einer früheren Anhörung zu den Gesetzesänderungen wies auch der demokratische Senator Cory Booker aus New Jersey auf die Bedeutung hin: "99 Prozent der Arten, die seit Bestehen des Gesetzes auf die Liste der gefährdeten oder vom Aussterben bedrohten Tierarten gesetzt wurden, konnten nachhaltig geschützt werden. Ihr Bestand gilt heute als gesichert", sagte Booker.

Inzwischen kündigten auch die US-Bundesstaaten Kalifornien und Massachusetts an, gegen die Neuregelungen vor Gericht zu ziehen. Beide Generalstaatsanwaltschaften verwiesen dabei auf einen aktuellen Bericht der Vereinten Nationen. Darin wird davor gewarnt, dass global mehr als eine Million Arten vom Aussterben bedroht sind. Dies sei nicht die Zeit, nicht oder langsam zu handeln oder rückwärts zu gehen, hieß es aus Sacramento und Boston.