Der Klimawandel hat die jüngste Hitzewelle in Westeuropa laut einer Studie verstärkt. Ohne die vom Menschen verursachte Erderwärmung wäre der Juli zwischen eineinhalb und drei Grad Celsius kühler gewesen, teilte ein internationales Forscherteam aus Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und der Schweiz mit (Studienergebnis im Original). Es sei "so gut wie sicher", dass es die Hitzewelle im Sommer 2019 in Europa ohne den Klimawandel nicht gegeben hätte, sagte die an der Studie beteiligte Wissenschaftlerin Martha Vogel von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich.

In Deutschland und Frankreich wurden im Juli mit je 42,6 Grad Celsius neue Hitzerekorde gemeldet, ebenso in Belgien mit 41,8 Grad und in den Niederlanden mit 40,4 Grad. Die Hitzewelle im Juni und Juli sorgte in mehreren Ländern für Beeinträchtigungen im Bahnverkehr, führte zu Dürre auf den Feldern und erhöhte das Risiko für Waldbrände.

Europa hat in den vergangenen 15 Jahren sieben außergewöhnlich intensive Hitzewellen erlebt. Die Wetteraufzeichnungen decken sich mit Messungen zur Erderwärmung: Die vier heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen waren die vergangenen vier Jahre.

Häufigkeit von Hitzewellen nimmt zu

Die Autoren der Studie nannten solche Rekordtemperaturen ein "extrem seltenes" Ereignis, das sonst nur etwa alle 1.000 Jahre auftreten würde. In Deutschland und in Großbritannien hingegen wäre die jüngste Hitzewelle ohne Klimawandel etwa alle 50 bis 100 Jahre möglich. Derzeit müsse hingegen etwa alle zehn Jahre damit gerechnet werden.

In dem Forscherteam des World Weather Attribution Project (WWA) arbeiten mehrere wissenschaftliche Institute zusammen, dazu gehört auch der Deutsche Wetterdienst (DWD). Sie berechnen etwa, wie viel wahrscheinlicher Extremwetterereignisse durch den Klimawandel werden und welchen Anteil menschengemachter Klimawandel an einem bestimmten Ereignis hat. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzten für ihre Berechnungen jeweils die drei wärmsten aufeinanderfolgenden Tage in mehreren europäischen Ländern.

Die Hitzewelle ist von Westeuropa mittlerweile weiter nach Norden gezogen, wo sie eine Eisschmelze in Grönland und der Arktis verursacht hat. In Sibirien und im Fernen Osten Russlands brachen wegen des heißen und trockenen Wetters Waldbrände aus, die bis Freitag eine Fläche von rund 31.000 Quadratkilometern erfassten – etwa das Gebiet Belgiens. Der Leiter des meteorologischen Institutes in Russland, Maxim Jakowenko, machte den Klimawandel auch für die verheerenden Waldbrände im Norden Russlands verantwortlich.