Die Erwärmung der Meere führt einer Studie zufolge weitaus schneller zum Korallensterben, als bislang angenommen. Der Prozess könne sich binnen Tagen oder Wochen abspielen, heißt es in der Studie von Forschern der Universität New South Wales (Current Biology: Ainsworth et al, 2019).

Die Meereserwärmung als Folge des Klimawandels führt bekanntlich zu der sogenannten Korallenbleiche, bei der die auf den Korallen sitzenden Algen absterben. Die Algen geben den Korallen ihr bunt schillerndes Aussehen und dienen ihnen als Nahrungsquelle. Wenn die Wassertemperaturen wieder sinken, haben die Riffe die Möglichkeit, sich zu regenerieren.

Wiederholte Bleichen aber, wie etwa am australischen Great Barrier Reef in den Jahren 2016 und 2017, können der Studie zufolge die Korallen selbst abtöten – und zwar binnen Tagen oder Wochen und nicht wie bisher angenommen über Monate und Jahre. In einem Tweet über die Studie schrieb die Australische Akademie der Wissenschaften: Hitzewellen im Meer störten nicht nur die delikate Balance zwischen Korallen und Mikroorganismen, sie könnten vielmehr das Skelett der Korallen selbst zum Zerfallen bringen.

"Die Schwere dieser Hitzewellenereignisse geht über den Bleichprozess hinaus, es ist der Punkt, an dem das Korallenlebewesen selbst stirbt", sagte Studien-Co-Autorin Tracy Ainsworth. Scott Heron von der James Cook Universität in Australien sagte, sie seien von der Geschwindigkeit der Auflösung des Korallengerippes nach Hitzewellen überrascht gewesen. Diese Erkenntnis zähle zu der Kategorie der "unbekannten Unbekannten" des Klimawandels, von denen Klimaforscher sprächen, wenn es um nicht aus Erfahrungen oder bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen ableitbare Ereignisse gehe.

An der Studie waren Forscher mehrerer Universitäten beteiligt. Die Korallen im Great Barrier Reef litten in den Jahren 2016 und 2017 unter einer gigantischen Bleiche. Bis zu der Hälfte des 2.300 Kilometer langen UN-Weltnaturerbes waren davon betroffen.