In Island ist der abgeschmolzene Gletscher Okjökull symbolisch beerdigt worden. Mit Gedichten, Schweigen und Ansprachen erinnerten Aktivisten, Regierungsvertreter und andere an den ersten vollständig abgeschmolzenen Gletscher auf der Insel im Nordatlantik.

Bei der Zeremonie kletterten etwa 100 Menschen auf den Vulkan, wo sich rund 700 Jahre lang der Okjökull befand. Kinder brachten eine Erinnerungstafel für den Gletscher an – diese ist mit einem "Brief an die Zukunft" des Schriftstellers Andri Snær Magnason beschriftet. Darauf heißt es: "In den nächsten 200 Jahren ist zu erwarten, dass alle unsere wichtigsten Gletscher den gleichen Weg gehen. Diese Gedenktafel dient dazu, anzuerkennen, dass wir wissen, was vor sich geht und was zu tun ist."

Vor 30 Jahren bedeckte der Eispanzer des Okjökull noch vollständig den Schildvulkan Ok. Bereits vor zehn Jahren hatte der Geologe Oddur Sigurðsson den Okjökull für tot erklärt. Mit nur noch 15 Metern Eisdicke ist er zu leicht geworden ist, um sich vorwärts zu schieben und als Gletscher zu gelten. Heute erinnern nur noch wenige Eisreste an den Okjökull.

Das im Nordatlantik gelegene Island wird stark durch seine Gletscherlandschaften geprägt. Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir, die auch an der Beerdigungszeremonie teilnahm, sagte, dass der Verlust von Gletschereis eine Konsequenz der Klimakrise sei.

Zwei Satellitenbilder der Nasa zeigen links den Gletscher im Jahr 1986 und rechts seine Reste im August 2019. © NASA/​AP/​dpa

Gletscher verlieren jährlich rund 335 Milliarden Tonnen Eis

Wie Schweizer Forscherinnen und Forscher ermittelt haben, verlieren schmelzende Gletscher jährlich rund 335 Milliarden Tonnen Eis. Michael Zemp von der Universität Zürich sagte im April, die Welt büße damit jährlich rund dreimal das verbleibende Gletschervolumen der europäischen Alpen ein. Demnach hätten die Gletscher zwischen 1961 und 2016 mehr als 9.000 Milliarden Tonnen Eis verloren.

Anfang des Monats hatte der Weltklimarat IPCC in einem Sonderbericht festgestellt, dass der weltweite Temperaturanstieg über den Landflächen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits bei 1,53 Grad liegt. Die Warnungen von Experten und die Proteste der Bewegung Fridays for Future haben dazu beigetragen, dass sich auch die Politik zunehmend mit der Klimakrise beschäftigt. Im September möchte das Klimakabinett der Bundesregierung Vorschläge vorlegen, wie die deutschen Klimaziele umgesetzt werden können.

Klimawandel - Es ist schlimmer als bisher befürchtet Unser Planet heizt sich auf. Gletscher, Schnee und Dauerfrostböden tauen. Unser Video zeigt, wo Sie dem Klimawandel zuschauen können. © Foto: Zeit Online