Nach Angaben eines internationalen Forscherteams um Matthew Jones von der Swansea University in Wales entweicht bei großen Flächenbränden weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre als bislang angenommen. Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin Nature Geoscience erläutern, werden rund zwölf Prozent des bei solchen Feuern freigesetzten CO2s für Hunderte bis Tausende Jahre als Holzkohle im Boden gebunden.

Am Ende, so berechneten es die Klimaforscher, könnte der CO2-Ausstoß sogar langfristig gesenkt werden – wenn die gesamte Vegetation in den betroffenen Brandgebieten wieder nachwächst. Dann nämlich nehmen die neuen Pflanzenmassen durch Fotosynthese wieder so viel Kohlenstoff aus der Atmosphäre auf wie vorher gebunden war.

Forscher Jones spricht von "guten Nachrichten", gibt aber zu bedenken, dass dieser Effekt "in Extremfällen" Jahrhunderte dauern könne. Schließlich dauere das Nachwachsen je nach Landschaft unterschiedlich lang: Graslandschaften etwa benötigten weniger als ein Jahr, manche Wälder dagegen Jahrzehnte. In extremen Fällen, etwa in tropischen Moorlandschaften oder in der Arktis, sei eine vollständige Erholung mitunter erst nach einigen Hundert Jahren zu erwarten.

"Mehr CO2 aus als Auto-, Bahn-, Flug- und Schiffsverkehr"

Ungeachtet ihrer Berechnungen halten die Forscher fest: "Steigende CO2-Emissionen durch menschliche Aktivitäten wie Abholzung und das Niederbrennen einiger Moorlandschaften bedrohen das Weltklima weiterhin ernsthaft." Demnach brennt auf der Welt pro Jahr eine Fläche von der Größe Indiens, und diese Feuer stoßen demnach mehr CO2 aus als Auto-, Bahn-, Flug- und Schiffsverkehr zusammen.

In letzter Zeit hatten große Waldbrände etwa in Sibirien und Alaska Aufsehen erregt – auch wegen des dabei entstandenen Kohlendioxids. Nach Angaben der russischen Greenpeace-Sektion steht in der sibirischen Taiga derzeit eine Fläche von 5,4 Millionen Hektar in Flammen, der für das Weltklima wichtige Waldgürtel in den Regionen Irkutsk und Krasnojarsk sowie in der Teilrepublik Jakutien wurde dezimiert. Regen hat nun in den Waldbrandgebieten nach Einschätzung von Umweltschützern nur für leichte Entspannung gesorgt. "Momentan gehen die Brände wegen der Wetterbedingungen langsam zurück", sagte der russische Brandexperte Anton Beneslawski von der Organisation Greenpeace.

Nach Angaben der Umweltschutzorganisation sind weltweit seit Jahresbeginn 14,9 Millionen Hektar Wald abgebrannt. Im Rekordjahr 2012 waren es laut Greenpeace 18,1 Millionen. Mehr als 225 Millionen Tonnen CO2 pro Monat wurden dabei ausgestoßen – so viel, wie 49 Millionen Autos pro Jahr emittieren.