Die Bestände der in Wäldern lebenden Tiere sind in den vergangenen rund 50 Jahren weltweit stark zurückgegangen. Das stellt die Umweltschutzorganisation WWF in ihrer Studie Below The Canopy fest. Es ist die erste Untersuchung, die sich nur mit der Entwicklung der globalen Tierpopulationen in Wäldern beschäftigt. Demnach schrumpften zwischen 1970 und 2014 die 455 untersuchten Populationen um durchschnittlich 53 Prozent.

Besonders dramatisch ist die Entwicklung laut WWF in den Tropen, vor allem im Amazonas-Regenwald. Als Hauptursache wird die durch den Menschen verursachten Lebensraumverlust genannt. Das Roden und Veröden von Wäldern und andere Umweltveränderungen seien zu 60 Prozent für den Einbruch der Tierbestände verantwortlich, heißt es in dem Bericht. Die Umweltorganisation forderte die Staaten deshalb dazu auf, einen "planetaren Waldnotstand" auszurufen und diese zu schützen und aufzuforsten.

Der WWF verwies dabei auch auf die Bedeutung intakter Wälder für den Klimaschutz. "Wälder sind unser größter natürlicher Verbündeter im Kampf gegen die Erderhitzung", erklärte WWF-Waldexpertin Susanne Winter. "Wenn wir den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt umkehren und die Klimakrise verhindern wollen, müssen wir die Wälder und die dort lebenden Arten schützen."

Manche Arten erholen sich dank Schutzprogrammen wieder

Die NGO analysierte nach eigenen Angaben die Entwicklung von 268 Wirbeltierarten und 455 Tierpopulationen, die in Wäldern leben. An der Arbeit waren auch das UN-Weltüberwachungszentrum für Naturschutz und die Zoologische Gesellschaft London beteiligt. Weil die biologischen Beziehungen und Abhängigkeiten sehr komplex sind, bedingt das Aussterben einer Art häufig das Aussterben einer anderen. So seien viele Waldpflanzen darauf abgewiesen, dass Tiere ihre Blüten bestäubten oder ihren Samen verbreiteten.

Daher reiche Aufforstung und Waldschutz oft nicht aus, schreibt der WWF. Der Tierbestand sei vielerorts unter anderem auch durch Wilderei oder eingeschleppte neue Krankheiten sowie invasive Arten massiv bedroht. Insbesondere in Zentralafrika gebe es bereits das Problem der "leeren Wälder". Diese schienen zwar oberflächlich intakt – in ihnen lebten allerdings kaum noch Tiere.

In dem Bericht werden aber auch Beispiele von Arten genannt, die sich wieder erholen konnten. Bei Gorillas in Zentral- und Ostafrika etwa wird von einem Wiederanstieg der Zahl ausgegangen. Die entsprechenden Schutzmaßnahmen hätten entscheidend dazu beigetragen.