Wespen, Käfer und Zikaden, Bienen, Fliegen und Schmetterlinge, aufgepasst! Für die mehr als 33.000 in Deutschland lebenden Insektenarten gibt es gute Nachrichten: Das Bundeskabinett hat heute das Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung verabschiedet. Auf mehr als 60 Seiten finden sich darin zahlreiche Ziele und Maßnahmen, um die kleinsten Tiere zu retten. Es soll beispielsweise ein Insektenschutzgesetz mit Änderungen im Naturschutz-, Pflanzenschutz-, Dünge-, und Wasserrecht geben und es sollen pro Jahr 100 Millionen Euro zusätzlich für Insektenschutz und Forschung bereitstehen.

All das weist in die richtige Richtung. Denn Winzlinge wie Insekten, aber auch Asseln, Springschwänze, Würmer und Schnecken sind unverzichtbar für das Ökosystem. Sie zersetzen organisches Material und schaffen daraus neuen fruchtbaren Boden. Sie sind die Basis der Nahrungspyramide, an deren Ende wir Menschen stehen. Mit dem Verschwinden dieser Basis würde es nicht nur der Natur schlechter gehen, sondern jedem von uns. Deshalb sind sie zu schützen. Das hat auch die Bundesregierung endlich erkannt.

Doch große Worte allein reichen nicht – auf die konsequente, sinnvolle Umsetzung kommt es an. Und da bleibt die konkrete Ausgestaltung der Maßnahmen abzuwarten.

Für eine insektenfreundlichere Landwirtschaft wird es entscheidend sein, wie die EU-Fördergelder für die Landwirtschaft in der Periode 2021 bis 2027 künftig verteilt werden. Erforderlich wäre eine radikale Umverteilung der Mittel weg von den flächengebundenen Direktzahlungen hin zu einer Ökologisierung auch konventioneller Betriebe. Sprich: Mit den Milliarden aus Brüssel sollten Bauern gefördert werden, die sich in besonderer Weise und über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus für den Natur- und Artenschutz, den Schutz der Böden, eine strukturreiche Landschaft und eine Verminderung des Dünger- und Pestizideinsatzes einsetzen.

Die Aussagen im Aktionsprogramm dazu sind jedoch vage und verzagt. Vorgesehen ist etwa ein "substantieller Mindestanteil nicht-produktiver Agrarflächen". Dazu gehören Brachen, Ackerrandstreifen, Hecken und andere Strukturelemente, die Insekten als Lebensraum dienen. Ein sehr wichtiger Punkt für die Insekten, der dann aber gleich wieder eingeschränkt wird, wenn es etwas nebulös heißt, dass "Umfang und Gestaltung dieser Flächen im Zusammenhang mit der Ausgestaltung der Grünen Architektur festzulegen sind, ohne unter das derzeitige Umweltniveau zu fallen". Das lässt sich so deuten, dass zumindest keine Verschlechterungen zugelassen werden sollen. Ein Fortschritt wäre das aber noch nicht. 

Erfreulich konkreter ist da eine andere Regelung. Die sieht vor, entlang von kommunalen und nationalen Wegen, Straßen, Bahnlinien und Kanälen Insektenlebensräume wiederherzustellen und dort auf den Einsatz von Pestiziden zu verzichten. Bestimmte Pflanzenschutzmittel sollen in Schutzgebieten künftig erst weniger genutzt, dann verboten werden. Dazu gehören bestimmte Insektizide wie Neonicotinoide, die laut Studien Bienen und andere Insekten schädigen. Aber auch der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat, eine Substanz, die Mensch und Tier schaden könnte. Glyphosathaltige Mittel dürfen laut Plan nur noch bis zum 31. Dezember 2023 zum Einsatz kommen.

Naturschützer hätten sich wohl einen früheren Ausstieg aus der Glyphosatverwendung gewünscht – aber der konkrete Termin ist zu begrüßen, und Anwender haben damit genug Zeit, sich umzustellen und ihre Felder und Wiesen pestizidfrei oder mit anderen Mitteln zu bewirtschaften.