Hurrikan Dorian zieht die Südostküste der USA entlang (siehe Grafik oben). Auf seinem Weg nach Norden hat er wieder an Kraft zugelegt. Das Nationale Hurrikanzentrum der USA (NHC) stufte den Wirbelsturm in der Nacht zum Donnerstag erneut auf Kategorie drei hoch. Derzeit erreicht der Sturm Windgeschwindigkeiten von bis zu 185 Kilometern pro Stunde. Meteorologen vermuten, dass Teile der US-Staaten Georgia und South und North Carolina wegen starker Regenfälle und Sturmfluten überschwemmt werden könnten.

Anfang der Woche stand Dorian geradezu still. Die Winde in oberen Teilen der Atmosphäre waren zu schwach, um ihn zu bewegen. Und so hatte der Tropensturm am Montag und Dienstag seine Position kaum verändert, hing über der Insel Grand Bahama und verwüstete den karibischen Archipel im Atlantik. Am Mittwoch haben die Rettungs- und Aufräumarbeiten begonnen, Helfer sagen, es sei die "totale Verwüstung".

Offiziell dauert die Hurrikansaison über dem Atlantik etwa von Juni bis Ende November. Der September ist vielen Menschen in Nord- und Mittelamerika daher als Sturmmonat bekannt. Doch die Szenarien haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Statt immer über Inseln, Wasser und Küsten mit Geschwindigkeiten von mehreren Hundert Stundenkilometern rasch hinwegzufegen und auf ihrem Weg Bäume zu entwurzeln, Häuser abzudecken und große Flächen zu überschwemmen, verharrt mancher Wirbelsturm längere Zeit an einem Ort, um all dies zu tun – und sorgt dort für noch größere Schäden.

Braucht es eine Kategorie 6?

Es habe seit Beginn der Aufzeichnungen mit Dorian keinen Hurrikan dieser Stärke gegeben, der so lange stillgestanden habe, sagte Jeff Masters vom Wetterdienst Weather Underground. Die Daten des NHC stützen seine Aussage. Auch gab es erstmals seit Beginn der systematischen Satellitenaufzeichnungen vier Jahre in Folge in der Region Stürme der Kategorie fünf. Das ist die höchste Sturmkategorie – bis jetzt. Denn derzeit wird diskutiert, ob es nicht Zeit für eine sechste Stufe ist. Stimmt es also, dass Tropenstürme in den vergangenen Jahrzehnten häufiger und stärker geworden sind, wie es die Aufzeichnungen vermuten lassen? Werden Hurrikane zudem langsamer? Was ist mit Stürmen in anderen Regionen der Welt? Und ist all das eine Folge des Klimawandels?

Seit 1966 sammeln die Mitarbeiter des NHC aussagekräftige Daten über Stürme. Demnach scheinen Tropenstürme über dem Atlantik in den vergangenen 20 Jahren häufiger und heftiger geworden zu sein (siehe Grafik unten). Doch wer genauer hinschaut, erkennt, dass die Streuung der Werte groß ist. "Bezogen auf die globale Klimaentwicklung sind 50 Jahre außerdem ein sehr kurzer Zeitraum. Das reicht nicht, um einen Trend zu erkennen", sagte daher Christopher Letchford schon in einem früheren Interview mit ZEIT ONLINE. Letchford hat am Rensselaer Polytechnic Institute Hurrikandaten aus 150 Jahren analysiert.

"Selbst wenn man sich die Aufzeichnungen aller Stürme und Hurrikane ansieht, die in den USA auf Land getroffen sind, ist nur ein ganz leichter Aufwärtstrend zu beobachten, was die Häufigkeit und die Intensität angehen", sagt der Forscher weiter. Das Fazit zogen auch die Autoren eines IPCC-Reports auf Basis diverser Studien. Autoren der meteorologischen Weltorganisation WMO wiederum schrieben jüngst in ihrem Bericht: Insgesamt deuteten die Belege zumindest an, dass die Intensität der stärksten Tropenstürme im weltweiten Mittel zugenommen habe. Die möglichen Ursachen dafür werden noch debattiert.

Ein Hurrikan ist ein tropischer Wirbelsturm (siehe Infobox unten). Er entsteht unter gewissen Bedingungen: Wenn sich das Meer westlich von Afrika und östlich der USA im Spätsommer auf mehr als 26 Grad Celsius erwärmt, steigen von der Wasseroberfläche warme Luft und Wasserdampf auf. Je höher die feuchte Luft steigt, desto kühler wird sie. Die Folge: Es bilden sich Wolken – was wiederum Wärme freisetzt. Dadurch dehnt sich die Luft aus, der Druck in der Höhe steigt. Von unten nachströmende Luft soll ihn ausgleichen, was die Wolken wachsen lässt. Nun kommen Passatwinde ins Spiel, die von Afrika gen Karibik ziehen. Sie drücken die Wolken in eine Richtung, während die Erdrotation sie zum Wirbeln bringt.

Je wärmer es wird, desto langsamer werden manche Stürme

Was unter ernst zu nehmenden Forscherinnen und Wissenschaftlern als gesichert gilt: Die weltweite Erwärmung führt dazu, dass Hurrikane mehr Energie aufnehmen. Weil die Ozeane den größten Teil der durch die menschengemachten Treibhausgase zusätzlich verursachte Wärmeenergie speichern und sich deshalb aufheizen, können Stürme mehr Wasserdampf aufnehmen und größer werden. Heftigerer Regen ist die Folge. Prognosen zufolge könnte sich dieser Effekt in Zukunft verstärken (IPCC: Hartmann et al., 2017).

Zudem scheinen sich tropische Wirbelstürme langsamer fortzubewegen als früher. Die Folge: Sie stehen länger an einem Ort und verursachen somit stärkere Regen- und Sturmschäden. Zwischen 1949 und 2016 habe sich die Zuggeschwindigkeit der Tropenstürme weltweit im Durchschnitt um zehn Prozent verringert, heißt es in einer Studie (Climate and Atmospheric Science: Hall & Kossin, 2019). Wirbelstürme über dem westlichen Nordpazifik wanderten einer früheren Publikation zufolge sogar um 20 Prozent langsamer (Nature: Kossin, 2018), über den Wasserflächen um Australien herum um 15 Prozent.

"Während sich die Atmosphäre der Erde erwärmt, verändert sich die atmosphärische Zirkulation", schreiben die Autoren in der aktuellen Veröffentlichung. Diese Veränderungen würden sich je nach Region und Jahreszeit unterscheiden, "doch es gibt Beweise dafür, dass die anthropogene Erwärmung tropische Zirkulation während der Sommerzeit grundsätzlich schwächt". Entsprechend plausibel sei die Annahme, dass Tropenstürme wegen der Erwärmung langsamer geworden seien.

Regionale Verlangsamung tropischer Wirbelstürme

Zwischen 1949 und 2016 über Land und Wasser

NOAA