Für einige Küstenregionen Nordeuropas könnte als Folge der Klimaerwärmung die Gefahr von Hochwasserereignissen steigen. Das schreibt ein internationales Forscherteam im Magazin Science Advances (Bevacqua et al., 2019). "Die Gefahr von gleichzeitig auftretenden Starkniederschlägen und Sturmfluten könnte tendenziell zunehmen", sagt Douglas Maraun von der Universität Graz, der an der Studie beteiligt war.

Die Forscher hatten anhand von Computersimulationen untersucht, wie sich durch den Klimawandel in Europa die Hochwassergefahr durch kombinierte Wetterereignisse ("Compound events") verändern könnte. Dabei verglichen sie die Zeitspanne von 1970 bis 2004 mit einem simulierten Zeitraum von 2070 bis 2099.

Besonders betroffen sei beispielsweise die norwegische Westküste rund um die Stadt Bergen. Dort könnte sich die Häufigkeit solcher kombinierten Ereignisse – Starkniederschlag mit Sturmflut – verfünffachen. Auch Bereiche in den Niederlanden, an der Westküste Großbritanniens und an Küsten in Nordfrankreich sind betroffen.

Andere Situation in Südeuropa

Das Risiko für die deutsche Nord- und Ostseeküste wird allerdings im Vergleich als gering eingeschätzt, wie Maraun erklärt. Hier treten solche kombinierten Flut- und Regenereignisse eher seltener auf. Langfristig könnte jedoch die Gefahr an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins steigen. In Südeuropa sei die Situation anders, sagt Maraun: "Dort dürfte die Zahl der Sturmfluten abnehmen, wodurch die Gefahr gleichzeitiger Extremniederschläge insgesamt eher sinken sollte."

Die Ergebnisse sind noch recht vorläufig, da Computermodelle zahlreiche Faktoren berücksichtigen müssen. Daher sind weitere Berechnungen nötig, um die Aussagekraft der bisherigen Datenlage zu stärken oder zu entkräftigen.

Bisher seien Risikoabschätzungen zu Sturmfluten und Starkniederschlägen meist unabhängig voneinander betrachtet worden, sagt Maraun. Oft würden beide jedoch durch die gleiche Wetterlage ausgelöst. Die Gefahr des gleichzeitigen Auftretens und das Zusammenspiel werde unterschätzt. Abfließendes Regenwasser nach Starkregen könnte etwa an der Küste, vor allem an Flussmündungen, von einer Sturmflut aufgestaut werden.

Die Ergebnisse der Analysen sollen Informationen liefern, die im Küstenschutz zusätzlich zum Meeresspiegelanstieg berücksichtigt werden sollen. Weitere Detailstudien könnten lokale Besonderheiten wie genaue Küstenformen, Deiche, Häfen oder Sperrwerke berücksichtigen.

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