Fichten und Kiefern, Eichen und Birken, Buchen und Ulmen. Mittendrin unzählige Mikroorganismen, Pilze und Tiere. Deutschlands Wald ist vielseitig und belebt, mit 11,4 Millionen Hektar bedeckt er ein Drittel des Landes. Er dient als Quell der Erholung, liefert zugleich Brenn- und Baustoff und sorgt mit Forst- und Holzwirtschaft für Arbeitsplätze. Umso besorgniserregender ist dessen Zustand. Denn Deutschlands Wäldern geht es schlecht. Allen voran Dürre, Hitze und eine Käferplage setzen den Bäumen zu.

Da muss sich was tun! Dachte sich unter anderem Julia Klöckner, ihrerseits Bundesagrarministerin. Sie hat deshalb Wirtschaftsvertreterinnen, Politiker und Waldexperten am Mittwoch zum Waldgipfel geladen. Man soll sich darüber austauschen, wie sich Wälder nicht nur pflegen, sondern für die Folgen des Klimawandels rüsten lassen. Auch will man klären, wie viel totes Holz im Wald liegen bleiben darf und ob Waldbesitzer, die massenhaft Schadholz aus ihren Wäldern holen müssen, finanzielle Unterstützung bekommen.

Worüber sich vor Beginn des Gipfels alle einig waren: Dem Wald geht es schlecht. Doch wie schlecht wirklich? ZEIT ONLINE hat sich die Lage mithilfe des Waldzustandsmonitors angeschaut, der den Zustand von Fichten, Kiefern und anderen Bäumen von 2003 bis 2019 erfasst. Spoiler: Seit Beginn der Aufzeichnungen war es nie so schlimm wie dieses Jahr.

Rot, rot, rot sind alle unsere Bäume

Der Waldzustandsmonitor verwendet den NDVI (Normalized Difference Vegetation Index), um die Vitalität der Bäume darzustellen. Dafür wertet er das Reflexionsvermögen der Waldflächen im Rot- und Nahinfrarotspektrum aus. Die Flächen, die dunkelrot erscheinen, weisen die niedrigste mit Satellitendaten geschätzte Vitalität im Referenzzeitraum 2003 bis 2019 auf. Hellere Rottöne deuten ebenfalls auf einen unterdurchschnittlich guten Zustand des Waldes hin. Blautöne hingegen zeigen einen überdurchschnittlich guten Waldzustand an. Quelle: Waldzustandsmonitor, Allan Buras TU München/Bayerisches Klimaforschungsnetzwerk © ZEIT ONLINE

Der Zustandsmonitor basiert auf den Aufnahmen von Satelliten. Aus dem All messen die Orbiter, wie grün die Vegetation ist. Es gilt: Je grüner, desto höher die Vitalität, desto besser geht es dem Wald. Reflektieren die Pflanzen hingegen vermehrt Licht im roten Spektralbereich, bedeutet das Stress. "Momentan geht es einem Drittel der Waldflächen in Deutschland extrem schlecht", sagt Allan Buras, Koordinator des Waldzustandsmonitors an der Technischen Universität München (siehe Grafik oben).

Die hohen Temperaturen und die anhaltende Trockenheit haben dem Wald Buras zufolge in diesem Jahr besonders zugesetzt. Zweige und Triebe sind ausgetrocknet, manche Blätter haben sich schon im Sommer braun gefärbt. Besonders die Fichten im Harz, Buchen im Spessart und die Kiefernwälder im Osten leiden unter Trockenstress. Aber auch im Pfälzerwald und Schwarzwald gibt es große rot dargestellte Gebiete.  

Ein Dürresommer ist noch kein Grund zur Sorge. Bäume sind robust, von Wassermangel können sie sich wieder erholen – vorausgesetzt es regnet im nächsten Jahr wieder mehr. So zeigt der Monitor beispielsweise, dass es zum Höhepunkt der Trockensaison in den Jahren 2003 oder 2015 durchaus rote Flächen auf der Karte gab. Doch schon im darauffolgenden Jahr war der Wald wieder frisch (siehe Grafik unten).

Zuletzt aber häuften sich die Extremwetterereignisse, weshalb die Bäume nicht genug Zeit hatten, sich von den Schäden zu erholen. Bereits 2018 haben sie unter der Hitze und Trockenheit gelitten, dieses Jahr gleich noch einmal. "Die Blätter der Bäume verfärben sich. Der Wald, der auf dem Waldzustandsmonitor rot erscheint, steht unter extremem Stress, weshalb die Bäume dort vermehrt absterben", sagt Allan Buras. Und das hat Folgen.

Quelle: Waldzustandsmonitor, Allan Buras TU München/Bayerisches Klimaforschungsnetzwerk © ZEIT ONLINE