Am Südpol hat sich ein riesiger Eisberg mit einer Fläche von 1.636 Quadratkilometern vom ewigen Eis gelöst. Der Berg, der von der Fläche her etwa so groß wie das gesamte Stadtgebiet von London ist, löste sich Ende September im Osten der Antarktis vom sogenannten Amery-Schelfeis, einer Fläche mit ewigem Eis, wie die australische Antarktis-Agentur AAD mitteilte. Expertinnen und Experten führen das Phänomen aber nicht auf den Klimawandel zurück, sondern sehen es als "Teil eines normalen Zyklus" im Eis.

Der Eisberg mit dem offiziellen Namen D-28 – gelegen zwischen zwei australischen Forschungsstationen namens Davis und Mawson – löste sich demnach am 25.9. von der restlichen Eisfläche. Sein "Kalben" war seit der Jahrtausendwende erwartet worden. Mit "Kalben" meint man, wenn größere Eisflächen ins Meer wegbrechen.

Die Professorin Amanda Fricker von der US-amerikanischen Scripps Institution of Oceanography sagte: "Wir glauben nicht, dass dieses Ereignis mit dem Klimawandel zusammenhängt. Das ist Teil des normalen Zyklus im Schelfeis, wo wir alle 60 bis 70 Jahre große Kalb-Ereignisse sehen." Zuletzt gab es am Amery-Schelfeis eine vergleichbare Ablösung in den Jahren 1963/64.

Laut Fricker ist der D-28 rund 210 Meter dick und hat eine Masse von etwa 315 Milliarden Tonnen. Dass sich Eisberge von Schelfeis lösen, sei ein normaler Vorgang bei den schwimmenden Eisplatten, sagte Fricker. "Schelfeis muss Masse loswerden, weil es ständig an Masse gewinnt. Seine Größe soll sich nicht verändern", sagte die Expertin vom Scripps Institut für Ozeanographie der Universität von Kalifornien.

Die Verhältnisse im Osten der Antarktis seien anders als in der westlichen Antarktis oder als in Grönland, sagte Fricker. Dort führe der Klimawandel zu einer rasanten Erwärmung. "Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit das nicht durcheinanderbringt", fügte sie hinzu. Der Abbruch des D-28 sei keine Folge des Klimawandels. Allerdings solle niemand glauben, der Klimawandel fände nicht statt, sagte Fricker.