Die führenden Industrie- und Schwellenländer der G20 kommen mit der Begrenzung der Erderwärmung einem Bericht zufolge nicht voran. Kein einziger G20-Staat befinde sich derzeit auf einem Kurs, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen, heißt es in dem Brown-to-Green-Report der internationalen Initiative Climate Transparency. Der Treibhausgasausstoß in den Ländern steige weiter, kritisieren die Autoren.

Climate Transparency wird unter anderem von der Weltbank und vom Bundesumweltministerium unterstützt. Der Brown-to-Green-Report listet seit 2015 jedes Jahr auf, wie die G20 im Klimaschutz vorankommen. Das sind Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea, Türkei, die USA und die Europäische Union.

Die G20-Staaten sind demnach für rund 80 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Südkorea, Kanada und Australien seien am weitesten davon entfernt, ihre an sich schon unzureichenden Klimaziele zu erfüllen. Deutschland schneidet gleich in mehreren Bereichen schwach ab – vor allem bei Verkehr und Gebäuden.

Mit Pro-Kopf-Emissionen im Gebäudebereich von mehr als drei Tonnen liege Deutschlands Wert rund 50 Prozent über dem EU-Schnitt und sogar doppelt so hoch wie der G20-Durchschnitt. Bei der Sanierung des Gebäudebestands müsste das Tempo dem Bericht zufolge verfünffacht werden, um auf einen wirklich klimafreundlichen Kurs zu kommen. Lediglich bei Neubauten seien die Standards in Deutschland vergleichsweise gut, allerdings weiter nicht ausreichend zum Erreichen der angestrebten Klimaziele.

Im Verkehr liegt Deutschland dem Bericht zufolge bei den Emissionen direkt hinter den großen Flächenstaaten USA, Kanada, Australien und Saudi-Arabien. Hierzulande werden demnach im Schnitt 84 Prozent der gereisten Kilometer mit dem Auto statt mit klimafreundlicheren Alternativen zurückgelegt – ein G20-Spitzenwert. Bei Elektroautos drohe Deutschland zudem, den Anschluss zu verlieren. So hätten die USA, Kanada und Südkorea Deutschland bei den Marktanteilen für neu zugelassene E-Autos überholt.

Deutschland verfehlt wohl erneut Klimaziele

Rund die Hälfte der G20, darunter die EU, dürfte ihre bisherigen, selbst gesetzten Klimaziele übererfüllen. In den Bericht ist das neue Klimapaket der Bundesregierung noch nicht eingeflossen. Es sei aber in jedem Fall "wahrscheinlich, dass Deutschland ohne massive Nachbesserung seine Klimaziele deutlich verfehlen wird", erklärte die Ko-Autorin des Berichts, Lena Donat von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.

Rund die Hälfte der G20-Staaten sei immerhin auf "gutem Weg, die selbst gesetzten nationalen Klimaziele zu erreichen oder gar zu überbieten", heißt es weiter. Damit könnten sie ihre bislang für das Pariser Klimaabkommen gemachten und "ausnahmslos zu schwachen Zusagen" im kommenden Jahr erhöhen.

Auch bei der Energiegewinnung geht es langsam voran. 2018 habe die Energieversorgung aus umweltfreundlichen Quellen zwar um fünf Prozent zugenommen, wegen insgesamt steigender Nachfrage verharre der Anteil der fossilen Energieträger bei den G20-Ländern aber auf 82 Prozent.

Der Bericht wurde wenige Wochen vor der UN-Klimakonferenz veröffentlicht, die vom 2. bis zum 13. Dezember in Madrid stattfindet. Im Pariser Klimaabkommen hatte die internationale Gemeinschaft 2015 vereinbart, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Von der Erfüllung dieses Ziel ist die Menschheit nach derzeitigem Stand allerdings weit entfernt.