Knapp eine Woche vor Beginn der Weltklimakonferenz in Madrid hat das UN-Umweltprogramm (Unep) deutlich mehr Anstrengungen im Kampf gegen die Erderwärmung angemahnt. Um das im Pariser Klimaabkommen vereinbarte Ziel zu erreichen, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, müssten die Treibhausgasemissionen drastisch gesenkt werden, heißt es in einem neuen Unep-Bericht.

Wenn die Weltbevölkerung so weiterlebe wie aktuell, drohe die Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um 3,4 bis 3,9 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu steigen statt wie angestrebt um nur 1,5 Grad.

Im Pariser Klimaabkommen hatten sich fast alle Staaten der Welt vorgenommen, die Erderhitzung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dabei war für viele Länder ebenso wie für Expertinnen und Experten schon das 1,5-Grad-Ziel nur ein Kompromiss. Bisher hat sich die Erde um einen Grad erwärmt.

Die Länder müssten ihre national festgelegten Beiträge im kommenden Jahr deutlich anpassen, um die Lücke bei den Klimazielen mit politischen Ansätzen und Strategien zu schließen, heißt es in dem Unep-Bericht. Die klimaschädlichen Emissionen müssten zwischen 2020 und 2030 jährlich um 7,6 Prozent sinken. Um die Erderwärmung wenigstens auf zwei Grad zu begrenzen, wäre in diesem Zeitraum eine Emissionsreduktion von 2,7 Prozent jährlich nötig. Und selbst wenn alle Staaten ihre derzeit festgelegten Beiträge erbrächten, würden im Jahr 2030 noch immer 32 Gigatonnen CO2 zu viel ausgestoßen, um das 1,5-Grad-Ziel erreichen zu können.

Staaten müssen ihre Anstrengungen immens verstärken

Konkret bedeutet dies: Wollen die Länder das 1,5-Grad-Ziel erreichen, müssen sie ihre Anstrengungen mindestens verfünffachen. Einigen sie sich nur auf das Zwei-Grad-Ziel, wäre eine Verdreifachung erforderlich.

Der Bericht stellt auch fest, dass trotz aller Warnungen und eines wachsenden Bewusstseins für den Klimawandel die Treibhausgasemissionen im ablaufenden Jahrzehnt jährlich um 1,5 Prozent gestiegen seien. Vergangenes Jahr sei gar ein "Rekordhoch" von 55,3 Gigatonnen CO2-Äquivalent erreicht worden. Das hatte jüngst auch eine Studie der  Weltwetterorganisation festgestellt und vor den Folgen gewarnt.

In dem Zusammenhang weist das UN-Umweltprogramm darauf hin, dass die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Welt (G20), zu denen auch Deutschland zählt, für 78 Prozent aller Emissionen verantwortlich seien. Sieben dieser Länder hätten bisher aber noch gar keine Maßnahmen beschlossen, um ihre Klimaschutzzusagen umzusetzen.

Entwicklungsländer hätten zwar laut Pariser Klimaabkommen das Recht, ihre Emissionen zu erhöhen, müssten aber auch an stärkeren Klimaschutzzusagen arbeiten. 

Die UN-Klimakonferenz findet vom 2. bis zum 13. Dezember in Madrid statt. Umweltaktivisten hoffen, dass dabei einige Länder ihre jeweiligen nationalen Klimaziele nachbessern. Bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow im kommenden Jahr wollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den weiteren Kurs bestimmen, um eine Klimakrise abzuwenden.