Die Buschfeuer im Süden Australiens haben sich nördlich von Sydney zu einem sogenannten Megafeuer vereint. Seit knapp zwei Monaten wüten Brände in Australien, wo derzeit der Sommer beginnt. Allein im Bundesstaat New South Wales zählten die Behörden zuletzt mehr als 100 einzelne Feuer, im benachbarten Queensland waren es mehr als 40 Brände. Nördlich der Stadt Sydney, der Hauptstadt von New South Wales, sind die Brände zu einer Feuersbrunst angewachsen, die außer Kontrolle geraten und nicht mehr zu löschen sei, berichten internationale Medien wie etwa der Guardian oder der Telegraph.

Von Dezember bis Februar, wenn in Deutschland tiefster Winter herrscht, ist auf der Südhalbkugel Hochsommer. Am Sonntag erwartete das Bureau of Meteorology, der nationale Wetterdienst Australiens, für die Region rund um Sydney Temperaturen von bis zu 26 Grad Celsius, für die kommende Woche werden Höchsttemperaturen von um die 33 Grad erwartet. Die Meteorologinnen und Meteorologen rechnen zudem mit starkem Wind, der das Feuer zusätzlich anfachen dürfte. Besonders am Dienstag sei mit einer weiteren Hitzewelle zu rechnen, sagte der Chef der Feuerwehr von New South Wales, Shane Fitzsimmons, dem Sender ABC.

Auch wenn die Wetterlage sich zum Wochenende etwas gebessert habe, sei man noch nicht "aus dem Wald heraus", sagte Feuerwehrhauptmann Ben Millington, was im Englischen so viel wie "über den Berg" bedeutet. "We're not out of the woods yet", wurde der Mann vom Rural Fire Service, der Feuerwehr von New Wouth Wales, im australischen Fernsehen zitiert.

Anhand von Satellitendaten werten Wissenschaftler Orte und Ausmaß der Buschfeuer Australiens aus – dieser Screenshot zeigt die registrierten Brände der vergangenen 72 Stunden. Die komplette interaktive Karte findet sich unter myfirewatch.landgate.wa.gov.au.

Am Freitag sagte der stellvertretende Brandschutzbeauftragte des Bundesstaats New South Wales, Rob Rogers, eine Gesamtfläche von etwa 300.000 Hektar stehe im Bundesstaat New South Wales in Flammen. Die Luftverschmutzung durch Rauch und Rußpartikel hat zudem vielerorts Rekordwerte erreicht, wie örtliche Behörden berichten. Die Menschen sind aufgefordert, in den Häusern zu bleiben und die Fenster geschlossen zu halten. Besonders Kinder, ältere Menschen und solche mit Lungenerkrankungen bringt die Luftverschmutzung in Gefahr. Die Brände bedrohen teils bewohntes Gebiet. In mehreren Nationalparks im Landesinneren westlich von Sydney richteten die Flammen schwere Schäden an. Der Yengo- und der Wollemi-Nationalpark mussten zu weiten Teilen wegen der Brände geschlossen werden.

Im Bundesstaat Queensland haben die Behörden am Samstag nach Berichten der Nachrichtenagentur AFP Bewohnerinnen und Bewohner dreier Vororte der Ostküstenmetropole Brisbane aufgefordert, sich umgehend in Sicherheit zu bringen. Die Bedingungen seien "äußerst gefährlich", und die Feuerwehr könne möglicherweise bald nicht mehr verhindern, dass die Brände sich weiter ausbreiteten, teilte die Brandschutzbehörde in Queensland mit.

Klimawandel verstärkt die übliche Buschfeuer-Saison

In Australien kommt es regelmäßig zu saisonalen Buschfeuern. Allerdings gehen Klimaforscherinnen und -forscher davon aus, dass der menschengemachte Klimawandel das Ausmaß der Feuer verstärkt. Einzelne Extremwetterereignisse und Naturkatastrophen lassen sich zwar nie direkt als Folge des Klimawandels erklären, doch langfristige Trends und fundierte Klimaprognosen belegen, dass die globale Erwärmung und die Veränderung des Klimas durch den Menschen Waldbrände in vielen Regionen der Erde haben häufiger werden lassen und auch in Zukunft wahrscheinlicher machen. In diesem Jahr haben die Sommerfeuer im Süden Australiens wegen lang anhaltender Dürren früher begonnen als sonst. Schon im November hatten die Bundesstaaten New South Wales und Queensland teilweise den Notstand ausrufen müssen.

Klimawandel - Was, wenn wir nichts tun? Waldbrände, Eisschmelze, Unwetter: Der Mensch spürt die Erderwärmung. Wie sieht die Zukunft aus? Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf erklärt unsere Welt mit 4 Grad mehr.

Auch in anderen Regionen der Erde, etwa rund um die Arktis, in Brasilien oder in Südostasien haben schwere Waldbrände zuletzt zugenommen (einen umfassenden ZEIT-ONLINE-Bericht lesen Sie hier). Wo es auf der Welt brennt, zeigt eine interaktive Karte von Global Forest Watch.

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